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Ausgabe 09/09 |
Auf der Zickzackbrücke in die ZukunftChina ist das Land der tausend Köstlichkeiten und der tausend Widersprüche. Eine Reise nach Shanghai und Nanjing bietet Einblick in eine rastlose Gesellschaft mit begrenzter Erinnerung und eine Literatur, die mehr im Gestern als im Heute angesiedelt ist

Der Dichter Lu Xun wollte bescheiden bleiben. Vor seinem
Tod im Jahr 1936 verbat er sich – ähnlich wie Bertolt Brecht
– alle Grabreden. «Macht es kurz, beerdigt mich und
Schluss», schrieb er in sein Testament: «Vergesst mich und kümmert
euch um euer eigenes Leben – wenn nicht, seid ihr selbst
schuld.» Der Lu Xun-Park in Shanghai ist ein Ort, an dem dieser
Imperativ zugleich unterlaufen ... mehr
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Ausgabe 06/09 |
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Auf Charlotte Roches «Feuchtgebiete» folgt eine Welle neuer Pornografie:
Autorinnen wie Tracey Emin oder Rebecca Martin schreiben als Frauen über Sex.
Ihre Ich-Figuren benehmen sich wie Kinder – oder Männer
VON BARBARA VINKEN
Wir befinden uns in der Zeit nach der sexuellen
Revolution, im Jahre 1976. Wir
stehen unter dem diktatorischen Anspruch,
unser Begehren endlich befreit gegen
alle verbietenden Autoritäten auszuleben.
Unsere Lüste in ihrer ganzen Mannigfaltigkeit
promisk gegen die spießigen Beschränkungen
des Fünfziger-Jahre-Familienmuffs zu erfüllen. Revolutionär
soll nach Wilhelm Reich jeder Orgasmus sein.
Make love, not war. Viel bleibt noch zu tun, aber wir wissen
uns euphorisch auf dem Wege ins Gelobte Land des
so befreienden ... mehr
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Ausgabe 05/09 |
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Die Gegenwart
wird immer breiter
20 Jahre Mauerfall, 60 Jahre Bundesrepublik,
100 Jahre Borussia Dortmund: Niemand kann sich den
Terminen des Gedenk-Kalenders entziehen.
Doch die «Memoria-Kultur» verstellt den Blick
auf die Zukunft
VON HANS ULRICH GUMBRECHT
Mittlerweile ist es ja nicht mehr bloß die kalenderfüllende
Anhäufung von Feiertagen,
welche uns beeindruckt, und ihre immer mikroskopischer
werdende Aufmerksamkeit für das regionale, längst vergessene
und auch das tatsächlich mittelmäßige Vergangene.
Diese immer weiter anschwellende Quantität hat
sich jüngst ins Qualitative verkehrt: Historische Phänomene
oder Fragen können kaum mehr auf der öffentlichen
Tageso ... mehr
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«Wir sind zu früh»
Julia Schoch hat einen Roman geschrieben,
in dem die «Wende» ein Scharnier zwischen Nichts
und Nichts bildet: Letzte Nachrichten
aus einem aufgegebenen Lebensraum.
Ein Porträt
VON FRAUKE MEYER-GOSAU
Nun ist das also alles vorbei. Die DDR existiert
seit zwanzig Jahren nicht mehr, und seit
diesem Frühjahr scheint auch die Literatur
der DDR an ihr Ende gekommen. «Mit der
Geschwindigkeit des Sommers» heißt der Roman von
Julia Schoch, der das zuwege bringt. Er zieht einen Schlussstrich
unter vieles zugleich: unter eine Epoche und ein
Gesellschaftssystem, unter die Hoffnungen, die sich für
eine bestimmte Generation mit bei dem ... mehr
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Ausgabe 04/09 |
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Alan Bennetts Roman «Die souveräne Leserin» war der Überraschungs-Bestseller des Jahres 2008 – ein Erfolg, den es aus verschiedenen Gründen eigentlich gar nicht hätte geben können. Eine Exkursion in Geschicke und Geschichten eines Ausnahme-Autors
VON FRAUKE MEYER-GOSAU
«Natürlich», sagt die Verlegerin Susanne Schüssler am Telefon.
«Natürlich können Sie an Alan Bennett schreiben
und ihn um einen Besuchstermin bitten. Ich leite Ihren
Brief gern weiter.Aber», in die Stimme mischt sich ein leise sZögern,
«ich glaube nicht, dass Sie damit Erfolg haben
werden.» Aber warum nicht? Schließlich steht Bennetts
Roman «Die souveräne Leserin» (LITERATUREN12/2008)
seit Monaten auf der Bestsellerliste, 230.000 Exemplare
sind bislang verkauft, und jederweiß, dass Interviews und ... mehr
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Ausgabe 03/2009 |
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Dichtung und Wahrheit:
Ein Besuch bei Uwe Johnson in seinem Archiv in Frankfurt am Main
VON JÖRG MAGENAU
Die große Bahnhofsuhr über der Tür stammt aus dem Pub in Sheerness-on-Sea. Johnson hat sie ersteigert, als die täglich aufgesuchte Stammkneipe renovier wurde. Eine schwere Schreibmaschine steht gebrauchsbereit im Eck: Zeugnis einer Epoche, in der Schreiben mechanische Arbeit war. Auf einem Stuhl, auf dem er einst saß, sitzt auch der Besucher vor einem langen Tisch, der sein Arbeitstisch war. Die Bilder seiner Schriftstellerfreunde hängen an der Wand: Frisch, Eich, Bachmann. Dazu:Brecht und Faulkner,Verleger Siegfried Unseld, die Grassens und die Walsers als Familienid ... mehr
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Ausgabe 01-02/2009 |
«Ich weiß, dass ich der Menschheit beichte
und dass mir die Zukunft zuhört»
Geheime Bekenntnisse.
Die Kunst des Tagebuchs
Die Journale des ungarischen Erzählers Sándor Márai umfassen fast ein halbes
Jahrhundert. Schon die ersten beiden Bände aus den Weltkriegsjahren zeigen ihn
als unerbittlichen, sarkastischen und skeptischen verspäteten Bürger –
als Anachronisten in der Chronisten-Rolle
VON SIGRID LÖFFLER
In Ungarnist Sándor der Tagespatrondes 18. März.
Am Sándor-Tag 1944 lud der Schriftsteller Sándor
Márai seine Verwandten zum Namenstags-Dinner
in seine Budapester Wohnung im noblen Viertel Christinenstadt
ein. Erst im Nachhinein wurde ihm bewusst, dass
mit diesem Festessen eine Epoche zu Ende gegangen war.
Genau ... mehr
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Ausgabe 12/2008 |
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Eine Ferne, die endlich näher rückt
Die neue «Kritische Gesamtausgabe» verspricht, einen Klassiker
besser lesbar zu machen
BENJAMIN UND SEINE EDITIONEN
VON RENÉ AGUIGAH
Walter Benjamin ist der berühmteste Geheimtipp der deutschen Geistesgeschichte.
Jeder kennt seinen Namen, doch
die meisten meinen, es mit einem Autor zu tun zu haben,
der es noch immer nicht in die erste Riege des philosophisch-literarischen
Kanons geschafft habe. Zum «echten Klassikerstatus»,
schrieb erst kürzlich ein Kritiker, fehle Benjamin eine «historischkritische Gesamtausgabe». Wie bitte? Benjamins Werk liegt in «Gesammelten
Schriften» vor, 14 dickleibige Teilbände; seine Briefe
sind in sechs solide edierten Bänden versammelt; die wichtig ... mehr
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Ausgabe 11/2008 |
Uwe Tellkamp Der Turm
Ein Blauwal von einem Roman
Warum Uwe Tellkamps Panorama der untergehenden DDR nicht allein durch seinen Umfang imponiert
und nur mit einem Wort zutreffend zu kennzeichnen ist: Meisterwerk
VON ANDREAS NENTWICH
«Ouvertüre»: Nacht und Nebel, Flackern
und Schwanken. Trunkene Flut aus Kursivschrift,
durchflackert vom grünen Fluoreszieren giftigen Unrats,
von grellen Peitschenlampen über Wachttürmen,
vom Goldgrund bürgerlicher Kunstausübung. Schwimmend,
paddelnd, treibend durch «Tiefseedunkel»
und «Spülicht» der Kanalisation, gezogen
von leuchtenden Metaphern, gelotst von
Schlägen alter Uhren, dem Knistern der
Tonabnehmer auf Schallplatten von «Eterna» und der «Deutschen Grammophon»,
hinabgestoßen ins Rattendunkel der Flöze
und anderen Raubbaus – finden wir uns
plötzlich ausg ... mehr
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