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Ausgabe 09/09 |
Felicitas Hoppe
Mein Lesesommer. Einen Teil davon habe ich mit Karl Schlögels
«Terror und Traum. Moskau 1937» verbracht, denn
«man kann über Russland im 20. Jahrhundert nicht sprechen, ohne
die Zäsur zu berühren, diemit ‹1937› bezeichnet ist». Gleich im
ersten Kapitel stoße ichauf eines meiner alten Lieblingsbücher: «Der
Meister und Margarita» von Michail Bulgakow, das ich vor dreißig
Jahren zum ersten Mal las (hingerissen), vor fünfzehn Jahren zum
zweiten Mal (sehr ... mehr
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Ausgabe 07-08/09 |
Antje Rávic Strubel
Antje Rávic Strubel, 1974 in Potsdam geboren, studierte nach einer
Ausbildung zur Buchhändlerin in Potsdam und New York
Literaturwissenschaft, Psychologie und Amerikanistik. Für ihre Prosa
wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt erschienen der Roman
«Kältere Schichten der Luft» (2007) und die «Gebrauchsanweisung für
Schweden» (2008). Sie lebt als freie Autorin in Potsdam.
Manche Gespräche beginnen tatsächlich noch so. Am Kreuzberger Ufer,
als die Admiralsbrücke in der letzten Sonne lag,
saß ich in einer beliebten Pizzeria, wartete auf meine Pizza «Gustaio» und wurde gefragt: «Mal wieder was Gutes gelesen? »Mir fiel
auf, dass einem die schlechten Beispiele zuerst einfallen. Es sei denn,
man steckt mitten in einem phantastischen ... mehr
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Ausgabe 06/09 |
Kathrin Schmidt
Kathrin Schmidt, 1958 in Gotha geboren, studierte Psychologie
und absolvierte das Literaturinstitut Johannes R. Becher
in Leipzig. Für ihre Gedichte und Romane wurde sie mehrfach
ausgezeichnet, im April dieses Jahres erschien ihr Roman
«Du stirbst nicht». Kathrin Schmidt lebt in Berlin
Ich hattemal wieder Geburtstag. Leidiges Fest
inzwischen. Verwandte und Freunde waren
ausgeladen. Trotzdem begab ich mich zum Nachmittag
auf einen Spaziergang, für den Fall, dass
ich jemanden vergessen hatte. Streuselte irgendwie
über die Äcker der Umgebung, kreuzte die
S-Bahn-Schienen und saute mir nicht nur die
Schuhe ein. Stimmung perdu. Bei der späten
Rückkehr hing am Türknauf ein Päckchen.
Jemand hatte ein ... mehr
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Ausgabe 05/09 |
Lutz Seiler
Lutz Seiler, geboren 1967 in Gera, lebt in Wilhelmshorst bei Potsdam und leitet dort
das literarische Programm des Peter-Huchel-Hauses. Bekannt vor allem als Lyriker, gewann
er 2007 mit der Erzählung «Turksib» den Ingeborg-Bachmann-Preis
Für die Arbeit an einer Erzählung, die bald fertig werden soll, habe
ich gerade noch einmal «Die jungen Jahre» von J.M.Coetzee
gelesen. Das Buch zeichnet auf nüchterne Weise das Psychogramm
eines Mannes im Alter von Anfang zwanzig, der nach London kommt
und versucht ... mehr
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Ausgabe 04/09 |
Jan Faktor
Jan Faktor, geboren 1951 in Prag, übersiedelte 1978
in die DDR und lebt seither in Berlin. Zuletzt veröffentlichte er
den Roman «Schornstein», der mit dem Alfred-Döblin-Preis
ausgezeichnet wurde
Die Qualen beim Umformulieren eines Satzes, der auch nach
der zwanzigsten Variante noch nicht befriedigt, sind nichts
Ungewöhnliches – hoffe ich jedenfalls. Weil ich relativ spät angefangen
habe, Prosa zu schreiben, habe ich mir derart aufreibendes
Feilen oft angetan – bis ich lernte, solche Hürden ökonomischer
zu nehmen: Ich streiche einfach, tilge ersatzlos. Jeder Satz oder
Nebensatz, der nicht gelingen will, ist in der Regel überflüssig.
Wie weit man bei der Verknappung eines Prosatextes gehen
kann, habe ich in Yoram Kaniuks Roman «I did it ... mehr
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Ausgabe 03/2009 |
Antonia S. Byatt
Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig. Ich liege im Bett und
bin umgeben von Bücherhaufen. Ich beginne mit den Kunstbüchern.
Ich habe Jackie Wullschlagers glänzende neue Chagall-Biografie
besprochen. Das Aufregende daran sind nicht nur die Anmerkungen der Biografin zu Chagalls Werk,
sondern auch die Geschichten
aus dem alten Europa und Amerika vor dem Ersten Weltkrieg bis
1984–das Jahr, in dem der Maler hoch in den Neunzigern starb. Wullschlager
ist eine ausgezeichnete Kunstkritikerin, sie hat aber auch eine
ideenreiche Biografie über Hans Christian Andersen geschrieben.
Außerdem lese ich «British Vision», den Katalog zu einer
offenbar wundervollen Ausstellung in Gent über britische Malerei
und Fotografie von 17 ... mehr
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Ausgabe 01-02/2009 |
Antonia S. Byatt
Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig. Ich liege im Bett und
bin umgeben von Bücherhaufen. Ich beginne mit den Kunstbüchern.
Ich habe Jackie Wullschlagers glänzende neue Chagall-Biografie
besprochen. Das Aufregende daran sind nicht nur die Anmerkungen der Biografin zu Chagalls Werk,
sondern auch die Geschichten
aus dem alten Europa und Amerika vor dem Ersten Weltkrieg bis
1984–das Jahr, in dem der Maler hoch in den Neunzigern starb. Wullschlager
ist eine ausgezeichnete Kunstkritikerin, sie hat aber auch eine
ideenreich ... mehr
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Ausgabe 12/2008 |
Heinrich Steinfest
Der in Australien geborene und in Stuttgart lebende Wiener Autor
ist mit Kriminalromanen wie «Ein dickes Fell» und «Nervöse Fische»
bekannt geworden. Soeben erschien seine Detektivgeschichte
«Mariaschwarz»
So populär und vielzitiert Robert Louis Stevensons Geschichte
jener beiden Herren Dr. Jekyll und Mr. Hyde auch sein mag,
erscheint mir die Spaltung in Arzt und Monster lange nicht so repräsentativ
für unsere Träume und Phantasien wie die von einem
Doppelleben als unbeachteter Kleinbürger und omnipotenter
Superheld. Denn Ersteres sind wir ja in der Regel tatsächlich, und
Zweiteres entspricht unserem Streben viel eher. Nicht das famose
Böse zieht uns an, sondern das famose Gute.
Kaumjemand spiegelt unsere Zwiespältigkeiten ... mehr
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