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Ausgabe 07-08/09 |
Mitten aus Rom
VON SILKE SCHEUERMANN
Die fundamentale Erfahrung des Dichters ist Hilflosigkeit,
schreibt die amerikanische Lyrikerin Louise Glück zu Beginn
ihres einleitenden Essays im Band «Proofs & Theories». Bevor ich
noch den Argumenten der Pulitzer-Preisträgerin folgen kann, klingelt
es. Maria und Paola sind da, um mich abzuholen. In der Villa
Massimo wird man immer gern abgeholt, alle Besucher, auch eingefleischte
Römer, lieben es, durch die portineria, das Pförtnerhäuschen
im massiven, geradezu burgähnlichen Eingangsportal
einzutreten (auf Anfrage, keine Touristen), hinein in den gepflegten
Park, wo sich links die Villa und rechts die Reihe der Künstlerstudios
erstreckt, an milden Frühsommerabenden von einzelnen
Lichtern ... mehr
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Ausgabe 06/09 |
Mitten aus Athen
VON PETROS MARKARIS
In Griechenland ist die amerikanische Fernsehserie «Prison Break»
sehr beliebt. Wir sind derzeit bei der dritten oder vierten Staffel,
aber die Zuschauerquote hält sich nach wie vor auf hohem Niveau.
Ich frage mich, warum. Denn bei uns kann man «Prison Break» live
sehen, in griechischer Regie, mit griechischen Schauspielern, mit
Piräus als Hintergrund, und das alles sogar in zwei Versionen: als
Original und als Sequel.
Am 22. Februar 2009 um 15.30 Uhr landete ein Hubschrauber
auf dem Dach der Haftanstalt Korydallos in Piräus. In jedem
anderen EU-Land hätten die Passanten vermutet, dass es sich um
einen Hubschrauber der Polizei oder des ... mehr
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Ausgabe 05/09 |
Mitten aus Reykjavik
Mitten aus Reykjavik
Reykjavik, am 7.Oktober 2008. Zwei der drei großen isländischen
Banken sind kollabiert, die dritte schwankt bedrohlich.
Das Telefon von Finanzminister Mathiesen klingelt.
Es ist sein britischer Amtskollege Alistair Darling.
Mathiesen: Hier spricht Árni Mathiesen, der Finanzminister.
Darling: Hallo, wir haben uns mal kennengelernt, vor ein paar
Monaten… Wochen.
M: Nein, wir haben uns nicht kennengelernt. Sie haben den
Wirtschaftsminister kennengelernt.
D: Achso, Entschuldigung.
M: Kein Problem.
D: Danke, dass Sie den Anruf angenommen haben. Wie Sie wissen,
haben wir ein großes Problem mit Landsbanki…
Im weiteren Verlauf des Gesprächs, dessen Transkript vom
isländischen Rundfunk veröffentlicht wurde, erkundigt sich Darling,
was mit den vier Milliarden Pfund sei, die seine Landsleute
bei der zahlungsunfähigen Landsbanki angelegt haben. Mathiesen
schlägt vor, dass die britische und isländische Finanzaufsicht sich
mit dem Problem befassen. Doch Darling will nicht delegieren. Er
bohrt so lange nach, bis Mathiesen ... mehr
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Ausgabe 04/09 |
BukarestVON JAN KONEFFKE
Vielleicht hätte es mich gar nicht überrascht, wenn ich nicht
erst gestern, nach vielen Monaten Abwesenheit, wieder nach
Bukarest gekommen wäre: Auf dem Ödland hinter den Ministerien
(Wohnungsbau, Finanzen und Justiz), die ihrerseits dem
Ceaucescu-Palast gegenüberliegen, zieht eine alte Frau ihre Strumpfhosen
herunter und geht in die Hocke. An einem Werktag wie
diesem parken hier annähernd zweihundert Autos, es herrscht
ein einziges Kommen und Gehen. Die struppig bewachsene Freifläche
ist der traurige Zeuge des früheren Stadtviertels,das den Betonbauten weichen musste.
Niemand beachtet die Alte,die an diesem eisigen Morgen,
zwischen noch kahlen Bäumen, ihr Geschäft
erledigt. Ich wende mich schleunigst ab, als sie mir dabei den bla ... mehr
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Ausgabe 03/2009 |
Washington
VON SEBASTIAN MOLL
Selten waren die Erwartungen an einen neuen US-Präsidenten so groß. Schließlich ist Barack Obama nahezu ausschließlich aufgrund seines beachtlichen rhetorischen Talents gewählt worden. In seiner von Nüchternheit geprägten Antrittsrede enttäuschte er dann aber gezielt die zuvor befeuerten Hoffnungen. Er widerstand auch der Versuchung, sich allzu sehr an sein großes politisches Vorbild Abraham Lincoln anzulehnen. Dabei hatte man genau das eigentlich erwartet.Schließlich stand die gesamte Inaugurations-Feier im Zeichen von Obamas vielleicht bedeutendstem Vorgänger, dessen Geburtstag sich am 12. Februar zum zweihundertsten Ma ... mehr
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Ausgabe 01-02/2009 |
Mitten aus London
VON DAVID FLUSFEDER
So aufgeregt hatte ich meinen Verleger seit Jahren nicht
erlebt – zumindest nicht seit einem Gespräch über
Feuerwerke, das wir gemeinsam mit einem mir befreundeten
Pyrotechniker führten, dem wir bei der Herstellung
von Sprengmitteln hatten assistieren dürfen, aber das ist
eine andere Geschichte. Mein Verleger war gerade dabei,
ein neues Buch herauszubringen, das sein Herz und seine
Phantasie vollkommen erobert hatte. Es kommt ja nur selten
vor, dass ein Autor nicht missvergnügt reagiert, wenn ... mehr
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Ausgabe 12/2008 |
Mitten aus Paris
VON MARTINA MEISTER
Sie sind ein großartiges Paar. Sie passen nicht zusammen, ergänzen
sich aber perfekt. Bevor ihre Verbindung in diesem
Herbst offiziell wurde, hatte man sie nur ein einziges Mal zusammen
gesehen: Es war im «Ritz». Wie einst F. Scott Fitzgerald und
Ernest Hemingway. Das Restaurant des Hotels steht unter Denkmalschutz.
Die Decke ist fern wie der Himmel. Der dicke Teppich
schluckt die Worte. An den Nebentischen sitzen nur Russen: Das
«Espadon» ist, mitten in Paris, der perfekte Ort für konspirative
Treffen. Michel Houellebecq trug beim Dinieren ein Sakko, das
die Kellner für solche Fälle bereithalten, falls einer wie er kommt,
im Holzfällerhemd und Parka. Der andere, Bernard-Henri Lévy,
kommt in solche ... mehr
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Ausgabe 11/2008 |
Ein Aristokrat mit Teddybär
Evelyn Waughs «Wiedersehen mit Brideshead» ist eine große Geschichte von Untergang, Verfall, Leidenschaft und Verzicht. Im Kino bleibt davon bloß eine schnöde Love-Story Gerüchte, man habe in dieser neuen Verfilmung des Romans von Evelyn Waugh die Rolle des (neben Winnie-the-Pooh) berühmtesten Teddybären der Literaturgeschichte beschnitten, sollen in England für ernsthaften Aufruhr gesorgt haben. Das hätte dem 1966 verstorbenen Schriftsteller sicher gefallen. Wahrhaft populär geworden waren Roman und Teddy beim englischen Publikum 1981: durch eine vielfach ausgezeichnete Fernsehserie mit Jeremy Irons in der Hauptrolle. Das Kuscheltier heißt Aloysius und ist ein unverzichtbarer Protagonist im Roman «Wiedersehen mit Brideshead», den Evelyn Wa ... mehr
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