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| Das Kriminal - Literatur |
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Ausgabe 10/2008 |
Lux in tenebris
VON FRANZ SCHUH
München leuchtet wieder einmal,diesmal, wie es im Klappentext steht, «in vorweihnachtlicher Pracht».Der Klappentext gehört zu «Schampanninger» von Max Bronski (Kunstmann, 16,90 €). Von Max Bronski habe ich seinerzeit «München Blues» besprochen. Ich schrieb in meiner heiter umständlichen Art, dass Bronskis Sarkasmus auf mich nicht allzu oft etwas forciert wirke. Seine Einfälle protzten nicht mit sich selbst, sondern würfen tatsächlich ein Licht auf Sachverhalte und Lebensumstände.Und es ist wieder umso, sieht man davon ab, dass der Autor seinen Stil perfektioniert hat: keine raue Stelle mehr,das rinnt runter wie bayrisches Weißbier, und mit staunenden Augen erfahre ich, dass – nach Bronski – der Bayer eine «innere Bieruhr» besitzt.An ihr kann der Bayer selbst, f ... mehr
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09.08 |
Etwas Göttliches war dabei im SpielVON FRANZ SCHUHDen Tod mit einer Vorstellung vom Weiterleben zu übertrumpfen, ist eine kulturelle Üblichkeit. Nicht zuletzt die Religionen leben gut davon. Aber es gibt natürlich auch Vorstellungen, die sich dem widersetzen: Nichts bleibt und nichts wird sein. Soll man nun irgendetwas tun, das einem – zumindest in der Einbildung – ein Weiterleben gewährt, oder soll es einem gleichgültig sein, was nach einem selbst kommt? Man ist ja dann nicht mehr da, und das müsste doch dafür ausreichen, dass es einem jetzt schon gar nichts ausmacht,was «danach» ist. Ich will etwas (mir) Peinliches gestehen, auch wenn nicht einmal das Geständnis mir zusteht. Es ist mir peinlich, aber ich fürchte mich schon jetzt davor, dass na ... mehr
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Schöner Sterben (07.08) |
Schöner Sterben
VON FRANZ SCHUH
Bevor die junge Katholikin kam, hatte ich im
Café «Museum» an einem der Tische im Freien
Platz genommen. Das Café «Museum» ist nicht weit
von der Wiener Staatsoper entfernt, aber doch soweit,
dass die Touristenströme nicht direkt auf einen zukommen.
Ich liebe die Touristen in Wien – zu sehr, weshalb
sie mir leid tun und ich ihnen aus dem Weg gehe: Ich
will nicht an Mitleid kränkeln.
Das Buch hatte ich auf den Tisch vor mir hingelegt,
und da kam die junge Katholikin um die Ecke. Sie rief mir
belustigt, aber achtungsvoll zu: «Ha, du liest ein frommes
Buch unserer Mutter Kirche.» «Nö», sagte ich, denn ich ... mehr
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Brennende Möbel (06.08) |
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Brennende Möbel
VON FRANZ SCHUH
Von Martin Amis gibt es einen Roman, der «Information» heißt. Ich behaupte, dass es der beste Roman ist, der jemals über die besondere Art von Hass und Neid geschrieben wurde, durch die zwei Schriftsteller einander verbunden sein können. Das ist ja auch ein Thema – der Erfolgsschriftsteller und sein Gegensatz, der erfolglose Kollege. Die Spur dieses Gegensatzes kannman in einem Kriminalroman verfolgen: in «Der langsame Tod der Luciana B.» von Guillermo Martínez (Eichborn, 17,95 ¤). Das Wort «Feind» taucht früh im Text auf, und bald darauf folgt «Duell». Aber so einfach geht das bei Martínez nicht, und ich stelle besser hier schon klar,dass ich im Folgenden nur herumreden werde: Gewöhnlich ... mehr
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Tue es selbst. Sag’s keinem. Nichts überstürzen (05.08) |
Tue es selbst. Sag’s keinem. Nichts überstürzenVON FRANZ SCHUHVor einiger Zeit besprach ich das Sachbuch des Kriminologen Thomas Müller (siehe DAS KRIMINAL 12/2007). Dieses Buch beginnt mit der Beschreibung des spannungsreichen Verhältnisses eines recherchierenden Profilers zu den Objekten seines Interesses, also zu den Mördern: Da ist eingegenseitiges Belauern, eine Art Überempfindlichkeit, bei der jede Geste zählt. Selbst die Frage,wer den ersten Sch ... mehr
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Ein grässliches Universum (04.08) |
Ein grässliches UniversumVON FRANZ SCHUH
Dieses Buch wollte ich nicht besprechen, ich las es nebenbei, aber dann kam ich zu dem Satz: «Im Interventionszentrum herrscht Weltuntergangsstimmung. »Diesen wunderbaren Satz, der bei mir ein hohes Maß an Einfühlung hervorruft, wollte ich unbedingt zitieren, und, na gut, wenn ein Buch dranhängt, will ich nicht so sein: «Du hast ein dunkles Lied mit meinem Blut geschrieben» von Virginie Brac (rororo, 8,90 ¤). In dem Bu ... mehr
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Ausgabe 01-02/2009 |
Parker in der Büchse der Pandora
VON FRANZ SCHUH
Man vergisst ja so vieles, und in meiner
Eigenschaft als Kolumnist für Kriminalromane
habe ich im Laufe der Zeit vergessen,
warum ich solche Bücher überhaupt lese.
Meine Standardantwort, selbst schon unbedachte
Routine, lautet: Weil ich dieser Gattung dankbar
bin. In meiner Kindheit und Jugend ging es eintönig zu,
und was hilft mehr gegen die Monotonie als Suspense?
Das ist wahr, aber es benennt nur die Oberfläche.
Ich lese Kriminalromane nicht, weil ich die Jagd und das
Gejagtwerden mag. Schon gar nicht lese ich Kriminalromane,
weil ich wissen möchte, wer der Täter ist. Ich bin
ein relativ behüteter Mensch, selbst nicht sonderlich auf
der Hut. Aber ich hatte mein Leben lang ... mehr
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Nacktbaden in Oxford (03.08) |
VON FRANZ SCHUH Als ich begann, «Katzenzungen» von Tony Strong zu lesen (rororo thriller, 8,90 ¤), dachte ich, dass Kritiker nicht nur Sadisten sind; sie sind auch Masochisten, sie tun sich was an – zum Beispiel die Lektüre solcher Kriminalromane. Aber in diesem Fall konnte ich meinen masochistischen Hang rationalisieren; es war mir unmöglich, die «Katzenzungen» zu übersehen. Erstens aus einem privaten Grund: in den sechziger Jahren,als icheinJünglingwarund es inmeinerHeimat noch ... mehr
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01/02.08 |
Der Himmel über Sardinien VON FRANZ SCHUH
Heinrich Steinfest, unter den Kriminalschriftstellern einer der besten, hat in einem Interview die Gattung gelobt. Im Kriminalroman – ich zitiere den Autor dem Sinn nach – sei einerseits alles, von der Satire bis zur ... mehr
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12.07 |
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von FRANZ SCHUH Einst lernte ich den Chef des Wiener Kriminalmuseums kennen.Meines Wissens ist ein Kriminalmuseum ein Ort, an dem der Schauwert begangener Verbrechen zelebriert wird.Man sieht dort, denke ich, Einzelstücke des Grauens, symbolische und reale Restbestände von Untaten. Der Museums-Chef hatte aber etwas gesagt,das mich, der ich,der Neigung und der Pflicht folgend, fiktive Kriminalität, also Kriminalromane bespreche, bis heute beschäftigt: Nichts, hatte er gesagt, komme ans reale Verbrechen heran. Das reale Verbrechen übertreffe auch an Phantasie alles, wozu die Fiktion in der Lage sei. Dahinter steckt ein Problem: Alles, was ich darstelle oder ausstelle, wird erst durch die Fiktion vermittelt, die es einem Publikum deutlich vor Augen führt. Alles, was aus einer ... mehr
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