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Ausgabe 11/2008 |
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Angela KraußÜber Wochen lese ich nichts. Das war nicht immer so. In meinem zweiten Lebensjahrzehnt grub ich mich das erste Mal durch die Weltliteratur. Ich sah in meiner außerschulischen Zeit Turnhallen und Ballettsäle von innen, ich übte, auf der Spitze zu stehen und mit dem anderen großen Zeh von hinten meine Stirn zu berühren. Die Konzentration gilt der Muskelarbeit, der Balance und einem inneren Bild der angestrebten Figur gleichermaßen. Am äußersten Punkt, also dem der nahenden Berührung, geschah jedesmal das Gleiche: Für ein oder zwei Sekunden wichen mir alle Gedanken aus dem Kopf. Als hätte der Körper den Geist durch diese spezielle Anstrengung kurzfristig aus sich herausgepresst. Um auf das äußerste Ziel hin durch nicht ... mehr
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Asugabe 10/2008 |
Es werde Transparenz!
Immer mehr Websites versuchen, Licht ins Dunkel des politischen Betriebs zu bringen. Aber wer kontrolliert die Kontrolleure?
VON ARAM LINTZEL
Dass die Welt unübersichtlich geworden ist, globale Finanzströme und politische Entscheidungen un durchschaubar sind, dass überhaupt alles immer schummriger wird, ist eine weitverbreitete Klage. Das gern geforderte Heilmittel? «Mehr Transparenz!» Es liegt auf der Hand, dass das Internet zum Leitmedium all jener geworden ist, die mehr Licht ins Dunkel der opaken modernen Welt bringen wollen. Transparenz ist zu einer beinahe theologischen Kategorie des Internet-Zeitalters geworden. Sie kündet von Erlösung: Wenn ... mehr
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09.08 |
Wärter im OhrInnovation in Nordrhein-Westfalen: Die moralischen Geschichten von www.podknast.de machen dem Gefängnis von heute Beine
«Podknast» – der kalauernde Titel ist genial beknackt, womöglich hat ein hochbezahltes Kompetenzteam tagelang darüber gegrübelt. Was der Auftraggeber dieses Projektes, der Justizvollzug des Landes Nordrhein-Westfalen, damit bezweckt, bleibt jedoch deutungsbedürftig. Auf derWebsite www.podknast.de lassen sich die Geschichten männlicher jugendlicher Straftäter als Podcasts anhören und downloaden. Am Anfang jeder Geschichte hörtman Blaulicht, rasende Gitarren und das metallische Schließgeräusch einer Zelle. Eine autoritäre Echo-Stimme deklamiert: «Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil!» Und dann erzählen Timo, Ben, Kevin ... mehr
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07.08 |
Der digitale Pranger
Perverser, Islamist, Kiffer, Faulenzerin? Jedem droht das Outing.
Das Internet – ein Tummelplatz für Denunzianten
Das Medium macht böse, kulturpessimistische Meckerfritzen
werden es schon immer
gewusst haben. Zugegeben: einige unangenehme menschliche Charakterzüge
kommen im Internet nicht nur zum Vorschein, sondern
werden dort geradezu gesteigert. So
etwa die mikrofaschistische Blockwart-Mentalität,
also der fiese Spaß am Anprangern und Verpfeifen. Das Internet
ist zum Petz-Netz geworden, ein Tummelplatz für Denunzianten
aller Länder, es wird bloßgestellt, gebrandmarkt und gemobbt,
wie und wo es nur geht.
Wie ein virtueller mittelalterlicher Pranger funktioniert, ... mehr
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06.08 |
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Kafka, Luhmann, Zettel
Schreibtisch-Chaos und Schlagwort-Assoziationen: Das alles kann das Internet – und träumt immer noch vom Tod des Autors
Franz Kafka hat die neuen Medien erfunden. So ließe sich die Behauptung der Initiatoren des «virtuellen Kafka-Bureaus» marketingtauglich zuspitzen (siehe www.kafkabureau.net). Die Schreibverfahren, die er an seinem stets unaufgeräumten Schreibtisch ... mehr
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05.08 |
Kein Date ohne Google … … alles andere wäre anachronistisch. Muss man vorher alle peinlichen Spuren verwischen, die man im Internet hinterlässt?Woran man so alles denken muss! «Der erste Eindruck zählt – und diesen bestimmt immer öfter das Internet», so warnt die Website www.deinguterruf.de. «Wenn Personalverantwortliche, Vermieter oder Partnermehr über Sie wissen wollen, werden sie online recherchieren. Manch längst vergessener Forumeintrag ... mehr
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04.08 |
Dada für Diskotanten
Fahrstuhlstimmen und Großdruckschrift: Gut gemeinte Seniorentreffs im Netz verfehlen oft die Zielgruppe
Vor einiger Zeit versehentlich hingeklickt. Eine freundlich-sonore Frauenstimme (bekannt aus modernen Fahrstühlen) erzählt ohne jegliche Intonation: «Ein gutes Jahr 2008 wünscht der Seniorrrentreff. Wir bieten Ihnen eine kostenlose Plattform für Kommunikation und Gedankenaustausch mit Menschen reiferen Alters und freuen uns, wenn ... mehr
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03.08 |
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Wie begegnet man der Vergänglichkeit im ach so jungen Internet? Mit Langzeit-Archivierung? Oder einem Trauerjahr für Verstorbene?
Während zu Beginn der Internet-Euphorie das weltweite Netz als Reich unendlicher Freiheit gefeiert wurde, ist Vergänglichkeit inzwischen ein Thema in der Community. Selbst die größtenTechno- Optimisten quälen sich mit der Frage, ob ihr Tun nicht letztlich hinfällig ist. All die Profile, Blogs und Identitätsentwürfe – landen sie früher ... mehr
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01/02.08 |
Schöner scheitern
Alle Welt huldigt dem Erfolg, aber Websites wie www.institute-of-failure.com feiern das Verlieren. Ob das hilft?
Zum Jahreswechsel meldet sich das Über-Ich zu Wort und drängt das Ich zur Evaluation:Habe ich erreicht, was ich mir vorgenommen hatte, lebe ich richtig, und was nehme ich mir jetzt vor? Erfolg, das ist die Instanz, vor der die eigene Lebensführung dabei zu bestehen hat. Erfolg ist inzwischen zum Kriterium für Relevanz geworden ... mehr
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12.07 |
Horror status
Nichts auf der Welt steht still, weil das Netz es so will. Wie kann man dem Zwang zur permanenten Aktualisierung entkommen? Ob es ein neues Testimonial bei «Myspace» ist oder ein neuer Kontakt bei «Friendster»:immer muss irgendwo nachgeguckt werden, ob sich was getan hat, und das in immer engeren Zeitrastern. Keine Veränderung darf unbeobac ... mehr
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