Make your world a better place Schluss mit der Faulheit! Zeigt Ehrgeiz! Seid strebsam und fleißig!
Denn wer sich selbst ändert, ändert die Welt
VON SIBYLLE BERG Ehrgeiziger, disziplinierter Streber sucht Frau», könnte die Überschrift einer Kontaktanzeige sein, der ein sehr überschaubarer Erfolg beschieden wäre. Mit etwas zu geizen, hat den gleichen pathologischen Stellenwert wie Bettnässen,das macht man schön im Stillen. Laut werden lässt man auf Stehpartys Positionen wie: Ich bin einer, der das Leben genießt, ein Schlemmer, Gourmet, ein Seelenbaumler, man muss die Faulheit feiern und jeden Tag verbringen, als sei es der letzte. Davon abgesehen, dass die letzte Aussage kompletter Stuss ist, weil die meisten ihren letzten Tag umgeben von Technik im Morphiumnebel verleben, wird das kollektive Unbewusste mit dem Kopf nicken und murmeln: So ist es recht. Man muss arbeiten, um zu leben, nicht andersrum. Ein Trugschluss. Denn wer faul ist, endet meist noch tragischer, als es dem Menschen ohnehin zugedacht ist.
Die kurze Lebenszeit zu verplempern, mag in der Jugend noch rührend sein – wenn die Kleinen lebensmüde zu lauter Musik kiffen, sollte man sie auf keinen Fall davon abhalten. Bemerkungen wie: In deinem Alter war Bill Gates schon Multimillionär, können nur zu Verdrossenheit führen. Die meisten Jugendlichen werden irgendwann zu faden Erwachsenen, und die Faulheitwird sich legen oder chronisch werden. Das, was viele unter «Das Leben genießen» oder auch «Ich arbeite mir sicher keinen Wolf» verstehen, sieht doch so aus: Der Träge hat mäßige Schulergebnisse und sich nicht die Mühe gemacht herauszufinden, was ihn in diesem Leben interessieren könnte. Als Vermeider von Anstrengungen nimmt er das, was das Leben gerade für ihn bereithält: nichts Gescheites. Eine Lehre irgendwo, ein Studienfach, da es noch freie Plätze hatte, irgendeinen Scheiß, ist doch egal. Von der lustlosen, halb verschlampten Ausbildung rutscht der Mensch, wenn er Glückhat, in ein Angestelltenverhältnis. Die Idee, sich selbständig zumachen, kommt ihm selten, aber leider immer noch zu oft, man begegnet ihr in materialisierter Form als schlechtem Handwerker, Dienstleister, pampigem Belästiger.
So wie das Gehirn ein Muskel ist, den man trainieren kann, schläft Energie ein, wenn man sie nicht fördert. Ein Buch zu lesen am Abend, statt ein fach nur den Fernseher einzuschalten, wird irgendwann zu einem Kraftakt, der nicht bewältigbar scheint. Und ich rede hier nicht der Lektüre Musils oder Kants gesammelter Werke das Wort, selbst die Lektüre von Martin Mosebach oder Charlotte Roche fordert das Gehirnmehr als stilles Starren in den Fernseher. Für Faule gibt es keine passenden Bücher. Warum also trotzdem lesen, wenn es doch so viel Mühe macht, fragen Sie? Obacht, antworte ich. Irgendwann schlägt das grunzende Wohlgefühl des Trägen in Unzufriedenheit um. Die Wohnung verrottet, das Geld ist knapp, und im Fernseher finden Leben statt,die so viel glamouröser scheinen. Der Träge murmelt den dümmsten aller Sätze: Geld macht nicht glücklich. Doch er glaubt ihn nicht, und langsam kommt Hass in ih mauf. Der Körper ist schwer, die Haut gelb, er sieht schöne Menschen, die Landgüter in Südfrankreich kaufen und auf Booten herumfahren, und das alles nur, weil sie ein bisschen singen können oder in Computern machen oder schauspielern, filmen, Bücher schreiben, Mode entwerfen, irgend so einen Quatsch halt.
Den er auch könnte, der Faule, der sich mit den Erfolgreichen verwechselt, weil die auch zwei Arme und Beine haben. Könnte ich auch, so ein Bild hinschmieren und dafür eine Million kassieren, brabbelt er und kratzt sich den Bauch. Vielleicht ist er unterdes entlassen worden. Vermutlich aber nicht, denn dazu gibt es zu viele unfähige Liegenschaftsverwaltungsmitarbeiter, Steuerberater, DHL Kuriere oder Telecom-Sachbearbeiter, und was sie alle tun, die in ihrer Trägheit das Leben der anderen zum Albtraum machen. Neid und Missgunst entstehen aus Faulheit. Natürlich macht Geld glücklich, und natürlich bekommt es keiner geschenkt. Wer mit dem, was er gut kann, zu Erfolg gelangt, ist ehrgeizig und arbeitet einfach mehr als die meisten anderen. Er hinterfragt Dinge, sich selbst zuerst, er arbeitet mit Hingabe, weil er weiß, dass es zufriedener macht, sein Leben selbst zu gestalten, als es gestalten zu lassen. Es gibt überragend gute Beamte auf der Ausländerbehörde, die in ihrem Leben nicht mehr wollten, als richtig gute Beamte zu sein, sich zu informieren, nicht zu verblöden, es gibt Künstler, Firmengründer, selbständige Angestellte, die sich nicht der Trägheit hingeben, und sie sind die erfreulichen Ausnahmen einer größtenteils unangenehmen Spezies. Nicht von der dumpfen kapitalistischen Disziplin ist hier die Rede, vom stupiden militärischen Gehorsam, vom idiotischen Sport-Treiben in Ermangelung anderer Ideen, wie man Bewegung in seine Existenz bringen kann, sondern vomGegenteil.Von der lohnenden Anstrengung, nichts als gegeben hinzunehmen, mit Gewohnheiten zu brechen, sich von Unangenehmem zu verabschieden, Bücher zu lesen statt fernzusehen. Sich anstrengen heißt, die Welt zu einem bessern Ort machen zu wollen, und sei es auch nur die eigene.