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Ausgabe 01/09 - Literaturen - Literatur
Editorial
Was Sie in den Händen halten, liebe Leserin, lieber Leser,

ist die 84. Ausgabe von LITERATUREN, seit diese Zeitschrift am 20. September 2000 zum ersten Mal erschien. Es ist die letzte Ausgabe, die ich als Herausgeberin verantworte.

«Hier kommt Literatur zur Geltung, wie dies im deutschsprachigen Raum bislang nicht geschehen ist», hieß es im ersten Editorial, in dem das Programm von LITERATUREN umrissen wurde: als Zeitschrift für Leser, die auf die Vielfalt der journalistischen Formen setzte; als Autorenblatt, das einem neuen Stil kritischen Denkens verpflichtet war; als Medium der Entschleunigung, das in der Hektik und Unübersichtlichkeit des Buchmarktes auf Orientierung und Thematisierung zielte, auf die Entdeckung geheimer Trends, versteckter Schwerpunkte und übergreifender Zusammenhänge, auf Dauer, auf Nachhaltigkeit, auf Gedächtnis. «Die Zeitschrift will die Neuerscheinungen kritisch begleiten und kommentieren, ohne sich vom Literaturbetrieb abhängig zu machen.» In diesen achteinhalb Jahren hat LITERATUREN die Leserschaft von diesem Konzept überzeugen können. Hier wurden nachmals berühmte Autoren zum ersten Mal ausführlich portraitiert: Jonathan Franzen, Michael Ondaatje, A. L. Kennedy, Péter Esterházy, Ian Mc Ewan, Henning Mankell, Geert Mak, Ilija Trojanow, Viktor Pelewin,Orhan Pamuk.Hier waren Originalbeiträge großer Autoren aus allerWelt zu lesen: von Elfriede Jelinek bis Philip Roth, von W. G. Sebald bis Cees Nooteboom, von Friederike Mayröcker bis Ruth Rendell, von Peter Handke bis Joyce Carol Oates, von Daniel Kehlmann bis Lars Gustafsson, von Alberto Manguel bis Imre Kertész. Für literarische Reportagen wurden Mitarbeiter in fernste Orte entsandt: etwa nach Timbuktu oder nach Chile, zu den kuriosen Wohnsitzen Pablo Nerudas.
Literaturkritiker sind keine Literaturbetriebsnudeln, und Literaturkritik ist etwas anderes als journalistische Dienstleistung, etwas anderes als markthörige Lobhudelei undWerbung für Easy Reading. Literaturkritik muss auch nein sagen können – nein zu nichtswürdigen Hypes und wesenlosem Radau um dumme Bücher und dubiose Autoren. Nur wer unabhängig ist und Haltung zeigt, kann für Leser glaubwürdig sein. In diesem Sinne danke ich Ihnen aufrichtig für Ihre Treue als Leser.

Sigrid Löffler
LITERATUREN-Herausgeberin

Was wir im Verlag vor rund zehn Jahren im Sinn hatten, liebe Leserinnen und liebe Leser, ist ziemlich genau das geworden, was Sigrid Löffler hier beschrieben und verwirklicht hat. Wir möchten ihr darum danken: für ihre kritische Beobachtung und Begleitung der Literatur, für ihren Mut, ihr aufklärerisches Engagement. LITERATUREN ist diesem Anspruch weiterhin verpflichtet und wird sich verändern, um das bleiben zu können, was es immer schon war.
Als neues Mitglied der Redaktion möchten wir herzlich Jörg Magenau begrüßen. Er wird künftig neben Frauke Meyer-Gosau den Bereich der Belletristik betreuen und gemeinsam mit René Aguigah und Ronald Düker daran arbeiten, Sie in der gewohnten Qualität umfassend über die literarische Bücher- und Gedankenwelt der Gegenwart zu informieren.

Michael Merschmeier
Verleger




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