«Der Jane Austen Club» von Robin Swicord lässt von der großen englischen Autorin nichts übrig als Klischees
Die Warnung vor der Vorführung klang ernst, aber nicht bedrohlich: «Das ist ein Frauenfilm.» Es gebe jedoch – und die Dame vomVerleih verlieh ihrer Stimme Zuversicht – durchaus auch Männer, die ihn gerne gesehen hätten. Nach gut anderthalb Stunden fragt man sich allerdings, was das für langmütige Exemplare ihrer Gattung sein müssen. Andererseits sollte man auch Frauen nicht unterschätzen, trotz weiblicher Lust an Leinwand-Liebesverwicklungen mit glücklichem Ausgang – und muss auch ihnen deswegen vom Kinobesuch abraten. DieseWarnung ist vor allem nötig, weil der Filmtitel möglicherweise eher kinoferne, dafür aber literaturnahe Besucherinnen und Besucher anlocken könnte. Nicht überall, wo Jane Austen draufsteht, ist auch Jane Austen drin. Nachdrücklich widersprochen werden muss in diesem Sinn einem Satz aus diesem Film: «Lieber etwas Jane Austen als gar nichts.» Nein, das Motto muss in diesem Fall lauten: Nur die ganze Jane Austen oder gar keine. Man kann und sollte ihre Romane lesen, das wäre die beste Wahl; man kann auch eine DVD mit einer gelungenen Verfilmung eines ihrer Bücher anschauen (etwa «Stolz und Vorurteil» oder «Sinn und Sinnlichkeit»). Nur auf eines sollte man verzichten: auf den Kinobesuch für die seichteVerfilmung eines harmlosen amerikanischen Bestsellers: «Der JaneAustenClub».
Dabei machen die ersten Minuten durchaus neugierig. In einer schnell geschnittenen Sequenz wird der alltäglicheWahnsinn vorgeführt: Handy-Hölle, Fitness-Club, Fastfood, Automaten-Zudringlichkeit.
Danach kann man das Kino getrost verlassen, denn nun folgt eine Aneinanderreihung von klischee-triefenden, in vielen Fernsehserien variierten vermeintlich weiblichen Vorlieben, also des wahren Geschmacks-Terrors. Da lernt eine erfolgreiche Hundezüchterin einen jüngeren Mann kennen, ziert sich erst, landet am Ende aber doch in seinen Armen.Eine Ehefrau wird nach langen Jahren von ihrem Mann verlassen, aber er sieht seinen Fehler ein und kehrt reumütig zurück.Die lesbische junge Tochter verliebt sich erst in die Falsche, findet aber rasch doch die Richtige.Die ältere Optimistin trifft einen gutaussehenden Mann, der trotz Sprachschwierigkeiten (oder auch deswegen) ihr siebter Ehemann wird, und schon sieht sie zehn Jahre jünger aus. Die verklemmte Französischlehrerin mit verkorkster Kindheit kann sichmit der Unbildung ihres Mannes nicht abfinden, findet
aber schließlich einenWeg, sein Leserherz zu öffnen – und das gelingt ihr natürlich mit einem Roman von Jane Austen. Überhaupt wird hier 104 Minuten lang Jane Austen gepriesen wie ein neues Produkt im Werbespot.
Der Roman «Der JaneAusten Club» von Karen Joy Fowler verknüpft das Leben von fünf Frauen und einem Mann mit der Austen-Lektüre. Bei den Zusammenkünften wird das Gelesene debattiert, das eigene Schicksal spiegelt sich ein wenig in dem der Heldinnen und Helden, in den Verwicklungen und der Ehe-Geometrie der
großen englischen Autorin.
Das ist eine nette Idee und leidlich amüsant. Man erfährt einwenig über «Emma» oder «Mansfield Park», weil die Romane in Kurzform abgehandelt werden. Allerdings könnte die Leidenschaft der Lese-Club-Mitglieder auch Henry James gelten oder einer der Brontë-Schwestern. Das würde nur unwesentliche Änderungen erfordern. In der Kino-Version – das Debüt der Regisseurin RobinSwicord –wird der Zusammenhang zwischen Filmstory und Literatur nur noch behauptet.Unablässig wird der Name der Schriftstellerin im Munde geführt, aber nur, wer Austens Romane kennt,kann entfernt einen Zusammenhang erkennen.Das hilft allerdings nicht wirklich gegen die Langeweile angesichts dieser Scherenschnitt- Figuren. DieClub-Mitglieder könnten genauso gut eine Fernsehserie debattieren, die Dialoge müssten dafür nicht wirklich geändert werden. Dass allerdings die fünf Frauen und der eineMann in diesemFilmalle umein Jahrzehnt jünger sind als die Vorbilder aus dem Buch, das war wohl nötig, damit die Protagonisten wenigstens nett genug aussehen.
MANUELA REICHART
Der Jane Austen ClubUSA 2007, 106 Min.
Regie und Drehbuch:
Robin Swicord
Mit Maria Bello, Emily Blunt, Kathy
Baker, Amy Brenneman, Maggie
Grace, Jimmy Smits u.a.
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Karen Joy Fowler Der Jane Austen Club Übersetzt von Marcus Ingendaay Goldmann Wilhelm, Juni 2007 kartoniert - 320 Seiten, 7,95 ¤
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Jane Austen Mansfield Park Übersetzt von Ursula Grawe, Christian Grawe Reclam Verlag Leipzig, August 2002 kartoniert - 517 Seiten, 9,90 ¤
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Jane Austen Verstand und Gefühl. ( Sinn und Sinnlichkeit) Übersetzt von Helga Schulz DTV Deutscher Taschenbuch, März 2000 kartoniert - 413 Seiten, 10,00 ¤
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Jane Austen Verstand und Gefühl. ( Sinn und Sinnlichkeit) Übersetzt von Ursula Grawe, Christian Grawe Reclam Verlag Leipzig, Januar 2001 kartoniert - 426 Seiten, 8,90 ¤
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