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Ausgabe 03/08 - Literaturen - Literatur
In einem kleinen Land, in dem der Reichtum blüht
Blauer Himmel, kleine Seen, gebildete Menschen mit feinen Manieren und Spaß am guten Essen – Geld haben macht glücklich und zivilisiert. Die konkrete Utopie lässt sich daher leicht zusammenfassen: Weg mit dem Neid, und Reichtum für alle!

VON SIBYLLE BERG

Microsoft-Gründer Bill Gates ist – mit einemVermögen von 46,5 Milliarden Dollar – der reichste Mensch der Vereinigten Staaten von Amerika, berichtete das Wirtschaftsmagazin «Forbes».

Reichtumist relativ.Man fühlt sich reich odermag sicher sein, dass es immer einen geben wird, der reicher ist als man selber, und kann verzweifeln daran. Kann sich denken, dass das Leben vertan ist, ob all der Sachen, dieman nie besitzen wird, kann aus der Verzweiflung Neid werden lassen auf all jene, die über einemselbst zu stehen scheinen, in der Sonne.
Neid ist relativ. Es gibt den kleinen, gepflegten, goldfarbenen Neid eines Herrn Rothschild auf einen Herrn Gates, ein Neidchen, kann man sagen. Und es hat den zerfressenden Neid dessen, der im Straßengraben vor einer Villa schlafen möchte, aber nicht schlafen darf, weil er das Auge beleidigt. Der General-Neider hasst Reiche. Aus Prinzip. Die Reichen, die über Leichen gehen, Geizkrägen, die Menschen ausbeuten, Mistkerle,diemit ihren Ferrari-Abgasen die Luft verpesten, blöde Schlunzen,die Pelztierchen totmachen. Geldmacht nicht glücklich, zischelt der Neidische und hat Unrecht.
DerVersuch,eine Definition von Glück zufinden, ließ Wissenschaftler auf eine Formel kommen,die dasGlück sehr fördert: Wohlstand, Bildung, soziale Kontakte und Naturverbundenheit. Machen wir uns also nichts vor,Reiche sind glücklich.Sowie einer eben glücklich sein kann,der umsein Ende weiß.Hat der Reiche sich sein Geld erarbeitet,dann hat er viel gearbeitet, und viel arbeiten macht glücklich.
Stellenwir uns ein kleines Land vor.Eswäre von Bergen umgeben, von hellem Himmel bedeckt, Seen lägen darin und kleine Bäche mit Goldfischen. Es hätte keinen Namen, das Land, aber seineWährung wäre der schöne, bunte Schweizer Franken. Stellen wir uns weiter vor, in diesem Land lebten nur reicheMenschen.Eswäre sauber,das Land. Theatertechniker verdienten 6000 Franken, ein bisschen mehr als Gepäcksortierer am Flugplatz, ein bisschen weniger als ein Schaffner im Zug wäre das, aber doch so viel, dass jeder seiner Arbeit gerne nachginge.
Nachdem einige der Einwohner des Landes ein kleines bisschen gearbeitet hätten, andere durch Läden geschlendert wären, um dieWirtschaft anzukurbeln, träfen sie sich in schönen Cafés und Restaurants oder beimSchwimmen imfleischwarmenWasser. Sie würden miteinander reden, die Menschen, weil sie kaum Arg hätten. Reichtumentspannt, er verringert die Angst, undwer sich keine Gedanken darüber machen muss, wie er den nächsten Tag überlebt, hat viel Kraft für vernünftige Dinge.
Sie füttern Tiere, bilden sich, die Menschen des kleinen Landes, und legen hübsche Gärten an. Fremden begegnen sie höflich und leise, denn sie sind gut erzogen und haben keine Furcht vor allem, was fremd ist, denn sie sind ruhig und wissen, dass kaum etwas sie bedrohen kann. Darum schlagen sie keine Ausländer zusammen, denn sie sind gut ausgebildet sind und wissen, dass jeder Mensch gleich ist. Solange er Geld hat. Die Menschen des kleinen Landes riechen nicht unangenehm,weil sie sich sauber halten. Sie bauen ab und an,wenn es ihnen langweilig ist, ein paarMuseen und verschenken Kunstsammlungen. Sie lieben Kunst und Künstler, weil sie wissen, dass Kunst das Einzige ist, das den Menschen vom Tier unterscheidet.
Wenn sie verreisen, so fahren sie an feine, gepflegte Orte, denn sie verachten Tourismus als den 4.Weltkrieg unserer Zeit.Von dem, was sie zu viel haben, geben sie ab, weil sie wissen, dassWohlstand nur Spaß macht,wenn man teilen kann.Abends fliegen sie eine Runde über ihren hübschen Häusern, winken und lachen. So wäre das in dem kleinen Land, wo der Reichtum lebt.
Doch auch bei Ihnen zuHause gibt es keinenGrund, die Reichen zu verachten.Wenn Sie in Europa wohnen, eine Arbeit haben und nicht gar zu viele, die Sie versorgen müssen, können Sie sich selber alles leisten,was Reiche glücklichmacht: freundlich zu anderen sein, nicht nur an sich selber denken, an hübsche Plätze verreisen und fein essen gehen.DieWeltwäre eine bessere,wenn alle Menschen reich wären. Keinen Grund gäbe es mehr für Hass und Missgunst, für Überfälle und Kriege.
Ich möchte, dass jeder auf derWelt so viel Geld hat, dass er sich leisten kann,was erwill,und erwird feststellen,mit der Zeit, dass es gar nicht so viel ist.




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