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Ausgabe 01/02.08
Jetzt als Taschenbuch
Joachim-Ernst Berendt,
Günther Huesmann: Das Jazz-Buch

S. Fischer, Frankfurt a.M. 2007. 944 S., 12,95 ¤

Mit Sendungen wie «Jazztime Baden- Baden» hat Joachim-Ernst Berendt (1922–2000) die Gehörgänge der frühen Bundesrepublik geprägt – und nicht nur das: Der Musikpublizist reiste durch die USA, dokumentierte Gospel-Chöre, Dixieland-Kapellen und Bebop-Improvisationen. Seine Hingabe an den Jazz lässt sich in diesem erstmals 1952 erschienenen Band nachlesen, den Günther Huesmann überarbeitet und bis in die Gegenwart weitergeschrieben hat. Heroen wie Louis Armstrong und Miles Davis kommen ebenso zur Geltung wie weniger bekannte Strömungen. Ein Standardwerk, ach was, die Bibel des Jazz.

Daniela Strigl: «Wahrscheinlich bin ich verrückt …».
Marlen Haushofer – die Biografie

List, München 2007. 400 S., 9,95 ¤

Sie war das Gegenmodell zu Ingeborg Bachmann: Die österreichische Försterstochter Marlen Haushofer stammte aus der Provinz und blieb auch dort, von Ausflügen in die Wiener Literaturzirkel der 1950er und 60er Jahre abgesehen. Ihr literarisches Werk (deren bekanntestes: der Roman «Die Wand») trotzte sie dem Alltag als Helferin in der Zahnarzt- Praxis ihres Mannes, als Hausfau und Mutter zweier Söhne ab. Daniela Strigl rekonstruiert nicht nur die Lebens- und Werkgeschichte der von inneren Spannungen zerrissenen Autorin, sie zeichnet auch ein Zeit-Bild Österreichs. Dass Bachmann das Land verließ und Thomas Bernhard
darin literarisch wütete – selten hat man es besser verstanden als auf der Folie dieser glänzend recherchierten und geschriebenen Biografie.

Colm Tóibín: Porträt des Meisters in mittleren Jahren.
Roman Aus dem Englischen von Ditte und Giovanni Bandini.
dtv, München 2007. 432 S., 9,50 ¤

Der titelgebende «Meister» ist Henry James. In seinem Künstlerroman konzentriert sich Colm Tóibín auf James’ mittlere Jahre, von 1895 bis 1899 – Jahre der uneingelösten Ambitionen, ehe die großen Romane seiner Reifezeit entstehen. Tóibín interessiert sich für die Wurzeln der Kreativität. Sein Buch handelt von den Qualen und Selbstvorwürfen, den moralischen Niederlagen und psychischen Versagungen, mit denen James’ Werk erkauft ist, kurz: davon, wie biografische Erschütterungen zu Keimzellen eines Kunstwerks werden. Seine These: Henry James ließ sich nie auf das Leben ein, blieb immer ein kalter Beobachter. Seine Nächsten, die er im Stich ließ, kehren als Wiedergänger zurück – und werden zu Romanfiguren, die in verschlüsselter Form verraten, was der Autor ersehnt, aber nicht gelebt hat.

Benjamin R. Barber: Imperium der Angst. Die USA und die Neuordnung der Welt
Aus dem Englischen von K. Heinz Siber. dtv, Müchen 2007. 272 S., 12 ¤

Als George W. Bush nach dem 11. September den Grundsatz durchsetzte, die Sicherheit der USA werde gewährleistet, indem man Länder bombardiere, bevor die nächsten Terroristen zuschlagen, war dies auch ein Fehdehandschuh für liberale Amerikaner. Der Politologe Benjamin Barber stellt der Doktrin vom «Präventivkrieg» sein Konzept der «präventiven Demokratie» entgegen. In «Imperium der Angst» plädiert er für zivile Kooperation, für nachhaltige Entwicklungshilfe, für internationale Bürgerinitiativen, für «globale Formen demokratischen Regierens». Klingt gut. Unklar nur, wie utopische Entwürfe Gehör finden, wenn der Commander-in-chief ebenso wie die Terroristen nur noch handeln.



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