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Ausgabe 05.05
Inhalt
Editorial

Schwerpunkt

Kaputt. 1945: Geschichten vom Weiterleben 4
Trümmer, Steine, Scherben � Nach der Befreiung ließ sich die Vergangenheit nicht so leicht wegschaufeln. Mit Beiträgen von Thomas Steinfeld, Michael Jeismann, René Aguigah, Ulrich Baron und Jutta Person


Das Kriminal

Johnsarg und der Verschwindibus
Franz Schuh trifft Frau Butler-Kellermeister


Bücher des Monats
Holger Noltze
Dieter Hildebrandt: Die Neunte
Wolfgang Schneider
Michael Wildenhain: Russisch Brot
Klaus Naumann
Detlef Bald: Die Bundeswehr
Burkhard Müller
Gustave Flaubert: Universalenzyklopädie der menschlichen Dummheit
Jens Bisky
Eckhard Fuhr: Wo wir uns finden
Caroline Neubaur
Per Olov Enquist: Das Buch von Blanche und Marie


Die Beiseite

Navid Kermani
Sprung von der Brücke

Warum das Leben hassenswert ist


Zeit-Diagnose
Martina Meister
Schaltet den Bildschirmschoner an!
Corinne Maier und Tom Hodgkinson empfehlen den Angestellten von heute mehr Faulheit


Kalender-Heros des 9. Mai
Peter-André
Alt Schluss mit Schiller
Das Geheimnis eines Welterfolgs: Der Thriller-Autor Dan Brown


Weisse Elefanten
Frauke Meyer-Gosau
«Is det rielie truh? Det is wonderful! Issentit?»
Joke van Leeuwens� Geschichten-Bilder-Buch «Weißnich» kann Eltern und Kindern den Kopf verdrehen


Das Journal
Rezensionen neuer Bücher von Karl-Heinz Ott || Bettina Gaus || Carolin Emcke || Patrick Roth || David Pfeifer || Tim Parks || Robert Jütte
Bildbände von Robert Polidori || Walter Schulze, Rolf Schneider


Verkehrsregeln
Manfred Schneider
Ich geb� dir konkret Deutsch!
Die neuen Sprachreiniger sorgen sich um Fremdwörter, Rechtschreibung und Sprachgefühl


Portrait
Kathrin Röggla
Die Verwörterung der Welt
Eine Hommage an den Ethnologen, Weltreisenden und Schriftsteller Hubert Fichte


Kurz & Bündig
Bücher von Osmar White || Ingo Metzmacher || Jean Echenoz || Neal Gabler || Philippe Lacoue-Labarthe || Arturo Barea
Bildbände von F. K. Waechter || Marie Simon


Das Magazin
Mitten aus Wien || Kalender || Jetzt als Taschenbuch || Literatur im Kino || Was liest Juli Zeh? || Netzkarte || Hörbücher


Impressum

Vorschau, P.S., Register


Editorial
Editorial 05.2005 Könnte es sein, liebe Leserin, lieber Leser,
dass ein leichter Überdruss Sie beschleicht angesichts zahlloser Gedenktage? Vielleicht verhält es sich mit ihnen inzwischen wie mit den «Kulturhauptstädten» Europas � sie wechseln einfach zu rasch.

Wer kann die einander überbietenden Erinnerungsimperative überhaupt noch wahrnehmen? Nirgends funktioniert der Bücherausstoß des Marktes reflexhafter als beim Thema «Drittes Reich».

Erst recht, wenn sich die Serie der 60. Jahrestage über fast ein Jahr erstreckt � vom D-Day am 6. Juni und dem gescheiterten Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 bis zur Befreiung von Auschwitz am 27. Januar und dem Weltkriegsende am 8. Mai 1945. Am 10. Mai, mit der Einweihung des Berliner Holocaust-Mahnmals, gelangt der deutsche Gedenk-Reigen an ein nur vorläufiges Ende. Literaturen interessiert am Weltkriegsende vor allem der Übergang: die Fortschreibung in der Veränderung politischer Konzepte und privater Maximen. Darum setzt dieses Heft auf Original- Zeugnisse aus der Zeit des Kriegsendes und des Friedensanfangs � nicht nur in Texten, sondern gleichermaßen in Bildern. Als Kronzeugen für den Zusammenbruch wie für das Weiterleben nach 1945 werden die Journalisten Curzio Malaparte und Margret Boveri mit lange verschollenen Büchern vorgestellt. Zugleich aber macht Literaturen auch mit Künstlern wie Conrad Felixmüller, Heinrich Stegemann oder Bernt Rösel bekannt, die aus unmittelbarer Anschauung der Zerstörung erste, verstörende Bilder und Zeichnungen gewannen.

Das Jahr 1945 ist im Schwarz-Weiß der Fotografien im kollektiven Bildgedächtnis verankert � höchste Zeit, der Erinnerung Farbe zu geben, findet Ihre Literaturen-Redaktion

Schwerpunkt - 1945 Geschichten vom Weiterleben (zum zweiten Teil - Der grosse Ruck)
Am 8. Mai 1945 war alles kaputt. Sechzig Jahre danach erinnert eine schier unüberschaubare Zahl von Totenfeiern, Staatsakten, TV-Sendungen und Büchern an das so ferne, so nahe Ende des Zweiten Weltkriegs.
Auch Literaturen nimmt das Jahr 1945 in den Blick � aber nicht im Zeichen des «Untergangs» oder der «Stunde Null», sondern als Schwelle: Die Beiträge dieses Schwerpunkts erzählen auf ganz unterschiedliche Art vom Weiterleben. Flankiert wird er von den Portraits zweier wieder zu entdeckender Zeitzeugen, die als Reporter das Weltkriegsende beschrieben: der Deutsch-Italiener Curzio Malaparte und die Deutsch-Amerikanerin Margret Boveri. Malaparte war Romancier und Journalist, Faschist und Dandy � Thomas Steinfeld geht seinem schillernden Leben nach. Malapartes jetzt neu aufgelegter Kriegsroman «Kaputt» gibt dem Heft den Titel. Einen neuen Typus von Erinnerungsbüchern, die das «Dritte Reich» aus der Perspektive von Kindern beschreiben, erörtert Michael Jeismann. René Aguigah zeigt, wie die umstrittenen Studien der Geschichtsschreiber Götz Aly und Wolfgang Schivelbusch ihre Fragen aus dem politischen Hier und Jetzt gewinnen. Ein kritisches Schlusswort zu Walter Kempowskis Text-Mausoleum «Das Echolot» spricht Ulrich Baron. Und Jutta Person portraitiert die Patriotin Margret Boveri, die als Augenzeugin das Kriegsende in Berlin dokumentierte. Die Bilder dieses Schwerpunkts sind gleichfalls Werke von Augenzeugen: Sie stammen von Künstlern, die zwischen 1943 und 1954 malend und zeichnend die Zerstörung deutscher Städte festhielten
Ausgabe 05.2005
Ausgabe 05.05
Kaputt - 1945: Geschichten vom Weiterleben
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