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Ausgabe 12.04
Übersicht Ausgabe 12.2004
Inhalt
Editorial

Schwerpunkt

Elfriede Jelinek und der Nobelpreis. Die Hintergründe
Einhundertdrei Jahre Dynamit und Literatur: Am Ende trifft es immer die Richtigen. Mit Beiträgen von Sigrid Löffler, Heinrich Detering und Aris Fioretos.

Sigrid Löffler Herrin der Unholde und der Gespenster Der Literatur-Nobelpreis kommt Elfriede Jelinek sehr zupass: Er verleiht ihr phallische Macht 6 || Heinrich Detering Der Preis des Idealismus Eine Ruhmrede auf den Literatur-Nobelpreis 16 || Aris Fioretos «Wir dürfen froh sein, wenn wir bei jedem Zweiten richtig liegen» Horace Engdahl, Ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie, gestattet einen Blick hinter die Kulissen des Literatur-Nobelpreises.


Das Kriminal
Stiefkinder des Lebens
Franz Schuh lauscht isländischen Engelsstimmen


Bücher des Monats
Heinrich Wefing
Jonathan Lethem: Die Festung der Einsamkeit
Edzard Reuter
Lothar Gall: Der Bankier. Hermann Josef Abs
Frauke Meyer-Gosau
Antje Rávic Strubel: Tupolew 134
Tom Holert
Michael Hagner: Geniale Gehirne
Wilfried F. Schoeller
Christian Buckard: Arthur Koestler
Christian Geulen
Michel Foucault: Geschichte der Gouvernementalität I und II


Pop-Ikone
Willi Winkler
Einer, auf den man nicht bauen kann
In seinen «Chronicles» verbirgt sich Bob Dylan hinter neuen Legenden


Fotografie

Manfred Schneider
Das höchste Risiko
Robert Capa oder Das kurze Leben des Kriegsfotografen und der Kriegsfotografie


Das Journal
Rezensionen neuer Bücher von Sven Regener || Jürgen Leinemann || Rafik Schami || Slavoj Zizek || Irvine Welsh || Gabriele Goettle || Werner Herzog || Dagmar Leupold || Martin Pollack || Ernst Augustin || David Cesarani Bildbände von Cees Nooteboom, Eddy Posthuma de Boer || Beate Lakotta, Walter Schels || Wilfried Wichard, Wolfgang Weitschat || Annemarie Jaeggi (Hg.)


Die Beiseite
Navid Kermani
Ganz unten, exklusiv
Ein Selbstversuch mit Hamburgern in Amerika


Familienbanden
Mark Terkessidis
Es lebe der Erfolg!
Familiengeschichten boomen auf dem Buchmarkt. Doch viel Privatleben scheint man sich in den großen deutschen Dynastien nicht zu gönnen

Wolfgang Kemp
«Von Jesse kam die Art»
Erst die Breite, dann die Linie � Ein wunderschöner Bildband dokumentiert die Geschichte der Familien-Stammbäume


Weisse Elefanten
Britta Sebens und Bo Steen
Vergiss den Gänsebraten!
Fünf sinnliche, kluge, ernste, witzige und poetische Bücher zu Mensch und Natur, über denen man leicht den Weihnachtsschmaus verpassen könnte


Kurz & Bündig
Bücher von Matt Ruff || Sebastian Conrad, Jürgen Osterhammel (Hg.) || Jan Koneffke || Helga Hirsch || Sophie Dannenberg || Rosa Amelia Plumelle-Uribe Bildbände von Neo Rauch || Rita Gudermann, Bernhard Wulff


Das Magazin
Mitten aus Madrid || Kalender || Jetzt als Taschenbuch || Literatur im Kino || Was liest A. L. Kennedy || Netzkarte || Hörbücher || Leserbriefe


Bücher-Empfehlungen zu Weihnachten


Impressum

Vorschau, P.S., Register

Editorial
Editorial 12.2004 Der Nobelpreis, liebe Leserin, lieber Leser,

hat eine einzigartige Aura. Kein Literaturpreis auf der Welt ist mit ihm vergleichbar. Keiner kann sich mit ihm messen, was Renommee, Exklusivität, Dignität und Tradition betrifft. Dass die Preisverleiher � die achtzehn Mitglieder der Schwedischen Akademie � sich über ein Jahrhundert lang nicht in die Karten gucken ließen, wie ihre Auswahl jeweils zustande kam, hat dem Prestige des Preises nicht geschadet, im Gegenteil. Das Geheimnis wurde zum Teil des Mythos.

Diese Verschwiegenheit erscheint nun erstmals durchbrochen. Auf doppelte Weise. So hat die Schwedische Akademie vor einiger Zeit ihr Archiv geöffnet und die Protokolle ihrer alljährlichen Kür publiziert. In einer Quellenedition, die Bo Svensén, der Privatsekretär des Ständigen Sekretärs, betreut hat, gibt die Akademie auf tausend eng bedruckten Seiten Einblick in die Kämpfe und Rituale der Entscheidungsfindung, allerdings nur für die Periode von 1901 bis 1950 (Bo Svensén: «Nobelpriset i litteratur. Nomineringar och utlåtanden 1901�1950»). Die Zeit danach unterliegt weiterhin der Geheimhaltung.

Dennoch sind diese Protokolle ein Ereignis. Sie entlasten die Akademie beispielsweise von dem Dauervorwurf der Qualitätsblindheit. Nicht das Nobel-Komitee allein war�s, das unentwegt die bedeutendsten Autoren seiner Zeit übersah � sie wurden ihm einfach von keiner Seite vorgeschlagen. Unter den 1256 Autoren, die das Komitee in der ersten Jahrhunderthälfte zu beurteilen hatte, fehlten Joyce, Proust und Rilke. Auch Tschechow, Brecht, Musil, Auden, Achmatowa und García Lorca wurden von niemandem nominiert.

Den Schleier der Verschwiegenheit lüftet auch Horace Engdahl, der Ständige Sekretär der Akademie. In Literaturen gibt er erstmals öffentlich Auskunft darüber, wie die Entscheidungsprozesse in Stockholm tatsächlich ablaufen. Lesen Sie ab Seite 22, was Engdahl seinem Schriftstellerfreund Aris Fioretos über die Jury-Arbeit verrät: «Wir dürfen froh sein, wenn wir bei jedem Zweiten richtig liegen.»

Ihre Literaturen-Redaktion
Foto: Schwedische Akademie
Schwerpunkt - Der Nobelpreis
Schwerpunkt 12.2004 Alljährlich an einem Oktobertag um ein Uhr mittags öffnet sich in der ehemaligen Stockholmer Börse eine Tür im zweiten Stock.
Der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie tritt ins Blitzlichtgewitter und verkündet der Welt, wem der Nobelpreis für Literatur in diesem Jahr verliehen wird. Danach läuft in der literarischen Szene das immer gleiche Ritual ab: Überraschung, Jubel, aber auch Schelte. Warum der oder die? Warum nicht jener oder jene? Seit der prestigereichste Literaturpreis der Welt zum ersten Mal verliehen wurde (1901 an den französischen Dichter Sully-Prudhomme), ist die Auswahl der «Achtzehn» (der Mitglieder der Schwedischen Akademie) stets heiß umstritten. Auch in diesem Jahr, da Elfriede Jelinek zur ersten österreichischen Preisträgerin gekürt wurde, ist das nicht anders gewesen. Sigrid Löffler besuchte die Dramatikerin und Roman-autorin in ihrem Elternhaus in Wien und portraitiert ihr Leben vierfach: als Erfolgsstory, als Unglückssaga, als Neidundwutgeschichte und als österreichisches Hass- und Verfemungsdrama. Heinrich Detering untersucht die 103-jährige Geschichte des Nobelpreises und stimmt, trotz aller Fehlgriffe, eine Ruhmrede auf die Weisheit der Vergabe an. Und es gibt einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des Preises: Im Gespräch mit seinem Schriftstellerfreund Aris Fioretos enthüllt der Essayist Horace Engdahl, seit fünf Jahren Ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie, wie der Entscheidungsprozess in Stockholm tatsächlich vor sich geht
Ausgabe 12.2004
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Elfriede Jelinek und der Nobelpreis
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