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Für den 1. Oktober 2004, liebe Leserin, lieber Leser, plant das ZDF ein Spektakel mit dem Titel «Unsere Besten. Das große Lesen» � eine Art «Deutschland sucht das Superbuch», nur eben öffentlich-rechtlich. Mehr als 160.000 Leserinnen und Leser, so teilt der Sender mit, haben Voten für ihr jeweiliges Lieblingsbuch abgegeben. Auch fundierte Kenner wie Moses Pelham oder Jeanette Biedermann sind darunter. Sie lassen uns wissen, «was Promis beim Lesen aus dem Sofa haut». Welche Bücher das Rennen gemacht haben, wird uns dann der Moderator dieser Gala verkünden, Johannes B. Kerner, wer sonst. Bis dahin gilt strenge Geheimhaltung. «Nur so viel sei verraten», lässt das ZDF verlauten, «dass es besonders die anspruchsvolle Unterhaltungsliteratur unter die ersten 50 geschafft hat.» Kursbuch vom September 2004 � die Grosse Entsolidarisierung Darauf wären wir freilich nie gekommen. Unsere Ungeduld zu erfahren, ob letztlich eher Noah Gordons «Medicus» oder Paulo Coelhos «Alchimist» vorne liegen wird, raubt uns nicht eben den Schlaf. Erheiternd an dem Vorgang ist allerdings der Etikettenschwindel. Wie jeder Lesende weiß, ist das Lieblingsbuch selten identisch mit dem literarisch besten. Das ZDF zielt auf eine massentaugliche Ranking-Show wie schon bei «Die größten Deutschen». Um bloß nicht in die quoten-tötende Nähe eines Bildungsverdachts zu kommen, versichert der Sender ausdrücklich, dass die genannten Bücher rein «den Herzen der Leser entspringen» und «Alibi-Nennungen wie beispielsweise Musils �Mann ohne Eigenschaften� nicht vorne zu finden sind». Gleichzeitig aber möchte das ZDF, wie der Titel verrät, «Unsere Besten» dekretieren und damit ein Fetzchen kanonische Würde usurpieren. Von solchen Rest-Skrupeln weiß der Rowohlt Verlag sich frei. Der verkündet seine Absicht, die Zeitschrift «Kursbuch» abzustoßen, lapidar mit der Begründung, die Abonnenten-Zahl stimme nicht mehr � die Zeitschrift «scheint das Unternehmen einer Generation gewesen zu sein». Pikanterweise trennt sich der Verlag just in dem Augenblick vom «Kursbuch», da die Republik sich anschickt, dessen Gründer Hans Magnus Enzensberger zum Fünfundsiebzigsten in großem Stil zu feiern. Dass dieser Name keinen ZDF-Promi aus dem Sofa haut, verwundert nicht. Dass Rowohlt die lebendige «Kursbuch»-Tradition nicht mehr zu schätzen weiß, hingegen schon. Ihre Literaturen-Redaktion P. S.: Auf Seite 65 finden Sie diesmal wieder «Die Beiseite», die nicht wenige Leser bereits schmerzlich vermisst haben. Geschrieben wird sie von einem neuen Autor, von Navid Kermani, dem in Köln ansässigen deutsch-iranischen Islamwissenschaftler und Schriftsteller, der im Frühjahr den schönen Essayband «Vierzig Leben» vorgelegt hat.
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