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Literaturen
Ausgabe 07/08.04
Inhalt
Editorial

Schwerpunkt
Gute Reise. Neue Welten: Der Mythos vom Entdecken und Erobern
Wer zuerst kommt, den belohnt der König � alte und neue Geschichten von der Suche nach fernen Paradiesen. Mit Beiträgen von Alexander Honold, Christian Geulen, Andreas Eckert und Paul Nolte sowie einem Gespräch mit dem Astronauten Ulrich Walter


Reportage
Josef Oehrlein
Die drei Archen des Dichters
Eine Reise zu den Häusern Pablo Nerudas in Chile aus Anlass seines 100. Geburtstagse


Das Kriminal
Der Norden und der Süden
Franz Schuh verwahrt sich gegen die Mankellisierung


Bücher des Monats

Bernd Greiner
The Constitution of the United States of America
Sigrid Löffler
Richard Powers: Der Klang der Zeit
Gert Mattenklott
Harry Graf Kessler: Tagebuch 1892-1897
Richard David Precht
Peter Sloterdijk: Schäume
Peter Demetz
Stendhal: Rot und Schwarz

Reiner Stach
Franz Kafka: Brief an den Vater



Erster Weltkrieg
Robert Deville

Das Ende des englischen Fräuleins oder Auf dem Weg ins zivilisatorische Niemandsland. Neue Ansichten zum Ersten Weltkrieg


Portrait

Valentin Groebner
«Ich vermag meine Begierden nicht zu zügeln»
Ein empfindsamer Selbstdarsteller in Textgebirgen: Die Karriere des Francesco Petrarca. Zu seinem 700. Geburtstag


Das Journal
Rezensionen neuer Bücher von Kathrin Röggla || Slavenka Drakulic || Frédéric Beigbeder || Roy Porter || Doron Rabinovici || Alice Miller || Alfred Kerr || Connie Palmen || Jean-Claude Guillebaud || Mario Vargas Llosa || Flora Tristan || André Aciman || Wilm Hosenfeld || Wolfram Wette (Hg.) || Brigitte Seebacher || Bildbände von Axel Hütte || Annie van Gemert || Jean de la Guérivière || Guido Baselgia || Jonas Maron || Steve McCurry


Portrait
Gustav Seibt
Adel und Untergang
Der sizilianische Fürst Giuseppe Tomasi di Lampedusa und sein verspätetes Meisterwerk «Der Leopard», jetzt neu übersetzt als «Der Gattopardo»


Weisse Elefanten
Unter Kopfjägern und Hasen
Wie Rudyard Kiplings Erzählungen, ein Dschungel-Roman über Borneo und afrikanische Märchen die Wildnis ins Kinderbuch bringen


Kuba-Literatur

Alexander Honold
Tristeza Cubana
Bunt, laut und melodramatisch gibt sich die neue Literatur aus Kuba


Kurz & Bündig

Bücher von Ulrike Draesner || Götz Aly || Felicitas Hoppe || Joachim Bessing || Eric Rohmer || David Servan-Schreiber || Francine Prose Bildbände von Ivana Della Portella (Hg.) || Anders Petersen


Das Magazin

Mitten aus Athen || Kalender || Jetzt als Taschenbuch || Mitten aus Mailand || Hörbücher || Literatur im Kino || Leserbriefe || Was liest Helga Nowotny ? || Netzkarte


Impressum

Vorschau, P.S., Register
Editorial
Niemand weiß, liebe Leserin, lieber Leser,

ob es sich bei dem Schiffs-Wrack, das von Tauchern vor der Küste Panamas entdeckt wurde, tatsächlich um die spanische Karavelle Vizcaína des Christoph Columbus handelt. Vor genau 500 Jahren versank sie, vom Bohrwurm durchlöchert und von ihrer Mannschaft aufgegeben, in einer seichten Meeresbucht der Neuen Welt.

Der alte Kahn, um dessen Bergung sich nun Wissenschaftler und private Schatzsucher streiten, Paradiesvogel aus Papua-Neuguinea

brachte es wohl vor allem deshalb zu Buch-Ehren («Die letzte Reise. Der Fall Christoph Columbus» von Klaus Brinkbäumer und Clemens Höges, DVA), weil er an einen Mythos angedockt werden kann � an Columbus. In seiner Gestalt bündeln sich alle Widersprüche des Zeitalters der Entdeckungen und des Kolonialismus, die das Lese-Publikum so stark faszinieren: der Traum der Menschheit, ins Ungewisse aufzubrechen und die Grenzen immer weiter zu stecken, die Gier nach Landnahme, Bereicherung und Weltherrschaft, die Sehnsucht nach unberührten, fernen Paradiesen, die man nur leider nicht betreten kann, ohne sie zugleich zu zerstören.


Wieso faszinieren uns Entdeckungsgeschichten und Berichte über historische Pionierfahrten? Warum lässt uns das Geheimnis der Meuterei auf der «Bounty» nicht los? Weshalb wollen wir von Weltumseglern wie James Cook, von Eroberern wie Columbus, von Abenteurern und Forschungsreisenden wie Stanley und Livingstone oder Lewis und Clark immer wieder hören und lesen?


Literaturen ist den verborgenen Motiven hinter dieser literarischen Begeisterung nachgegangen. Die neuen Reisebücher, so zeigt sich, funktionieren wie Zeitmaschinen: Sie katapultieren uns in die Zeiten des Aufbruchs, sie lassen uns teilhaben am Premierenreiz der Entdeckerfahrten, sie öffnen die Phantasieräume umso weiter, je knapper der Raum auf Erden wird. Aber sie zeigen uns auch, wohin all die Grenzüberschreitungen und Eroberungsgelüste geführt haben.


Einen anregenden Lese-Sommer wünscht

Ihre ferienfrohe
Literaturen-Redaktion
Schwerpunkt - Gute Reise. Neue Welten: Der Mythos vom Entdecken und Erobern
Schwerpunkt 07/08.2004 Wer zuerst kommt, den belohnt der König � alte und neue Geschichten von der Suche nach fernen Paradiesen. Mit Beiträgen von Alexander Honold, Christian Geulen, Andreas Eckert und Paul Nolte sowie einem Gespräch mit dem Astronauten Ulrich Walter
Alexander Honold Eine Fußspur in der Fremde oder Von der unendlichen Sehnsucht nach Selbstfindung und Selbstverlust 8 || Christian Geulen Der Pazifik als Phantasma Neue Perspektiven auf Captain Cook, die Meuterer der «Bounty» und andere Südseefahrer 14 || Bilder für die Heimat Der verzauberte Blick: Wie Entdecker die Fremde sahen 22 || Andreas Eckert Ein Kontinent, um sich auszuleben Die frühen Afrika-Reisenden erforschten das Land und bereiteten zugleich seine Kolonialisierung vor 24 || Paul Nolte First Contact Die Tagebücher der Lewis & Clark-Expedition und die bescheidenen Anfänge des amerikanischen Expansionsdranges 32 || «Das ist wie Gewürze finden in Indien» Ein Gespräch mit dem Astronauten Ulrich Walter über eine mögliche Kolonialisierung des Weltraums und über Fremde im All 37
 
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