Suche 
 
 
Ausgabe 06.04
Inhalt
Editorial

Schwerpunkt

Eine Party für James Joyce.
Der Dichter des «Ulysses» und sein Dublin


Das Kriminal
Sozialismus und Depression
Franz Schuh über die Träume eines kubanischen Polizisten


Bücher des Monats
Michael Braun
Les Murray: Fredy Neptune
Edzard Reuter
Helmut Kohl: Erinnerungen 1930-1982
Sebastian Kleinschmidt
Botho Strauß: Der Untenstehende auf Zehenspitzen
Hubert Leber
Wibke Bruhns: Meines Vaters Land
Daniel Kehlmann
John Le Carré: Absolute Freunde
Horst Bredekamp
Giorgio Vasari: Künstlerviten


Olympia
Alexander Honold
Spiele um Leben und Tod
Ortstermin in Olympia


Das Gespräch
Mord im Dienste der Demokratie
Ein Literaturen-Gespräch mit Lutz Hachmeister, der Hanns Martin Schleyer gleich zweimal portraitiert hat: in einem Film und in einem Buch


Das Journal
Rezensionen neuer Bücher von Feridun Zaimoglu || Isaiah Berlin || Marlene Streeruwitz || Nicholson Baker || Michael Rutschky || Susan Neiman || A. L. Kennedy || Elena Esposito Bildbände von Hannah Höch || Susanne Hopf und Natalja Meier || Diane Arbus || Auguste Racinet


Weisse Elefanten
Die Alten kommen!
Was alles zutage kommt, wenn man Kinderbuch-Klassiker in die Jetzt-Zeit befördert

Tausendundeine Nacht
Joachim Sartorius Eine Lust zu lesen Die Neuübersetzung von «Tausendundeine Nacht» holt den klassischen Mythos vom Morgenland in die Gegenwart: erotisch, gewalttätig, direkt


Kurz & Bündig
Bücher von Frank Schirrmacher || Judith Giovannelli- Blocher || Marcelo Birmajer || Daniel Barenboim und Edward W. Said || Anne Weber || Lucas Delattre || Scott Snyder || Heinrich-August Winkler (Hg.) Bildbände von Marcus Junkelmann || Irmtrud Wojak (Hg.)


Das Magazin
Mitten aus Tel Aviv || Kalender || Netzkarte || Leserbriefe || Hörbücher || Literatur im Kino || Was liest Aris Fioretos? || Jetzt als Taschenbuch

Impressum

Vorschau, P.S., Register
Editorial
Editorial 06.2004 In der Regel, liebe Leserin, lieber Leser,

nimmt die deutsche Literaturkritik die Arbeit der Übersetzer nur dann wahr, wenn es etwas zu nörgeln gibt. «Lost in Translation» � das ist ein Thema; «Conserved in Translation» ist keins. Natürlich gibt es immer wieder Anlass, sich über sprachliche Unarten und Unzulänglichkeiten von Übersetzern zu ärgern. Wann beispielsweise wird es sich in der Zunft endlich herumsprechen, dass «all the people» nicht «die ganzen Leute» heißt? Oder dass der australische «gum tree» kein Gummibaum, sondern ein Eukalyptusbaum ist?

Umso frohgemuter stellt diese Literaturen-Ausgabe einige Großtaten literarischer Übersetzung vor. Um auf Glanz und Grenzen, Texttreue und Eigenmächtigkeit des Übersetzens hinzuweisen, kann es gar keinen besseren Anlass geben als James Joyce. Die deutsche Sprachgestalt dieses unübersetzbarsten aller Wort-Verballhorner verdankt sich vor allem der Besessenheit und dem Ingenium eines Hans Wollschläger, eines Klaus Reichert, auch eines Arno Schmidt oder Friedhelm Rathjen.

Gerade bei den bekanntesten und populärsten Werken kann sich plötzlich herausstellen, dass wir sie auf Deutsch noch gar nicht richtig kennen. Die Märchensammlung «Tausendundeine Nacht» ist dafür ein Paradebeispiel. Erst Claudia Otts neue Übertragung aus dem Arabischen hat das Original von allen späteren Zutaten, Orientalismen und europäischen Übermalungen befreit (siehe S. 78). Die berühmten Künstlerviten des italienischen Malers, Architekten und Kunsthistorikers Giorgio Vasari wiederum kehren überhaupt erst durch das monumentale Neu-Übersetzungsunternehmen des Wagenbach Verlags ins Bewusstsein deutschsprachiger Leser zurück.

Und die Übersetzungsgeschichte eines anderen Klassikers, des Romans «Reise ans Ende der Nacht» von Louis-Ferdinand Céline, war jahrzehntelang ein offener Skandal, dem erst Hinrich Schmidt-Henkel mit seiner kongenialen Übertragung ein Ende machte (siehe S. 95 und Literaturen 5/2003).

Besonders engagierte Verleger leisten sich sogar hie und da den Luxus, den Qualitätsvergleich von Original und Übersetzung dem Leser selbst zu überlassen � durch zweisprachige Ausgaben. So kann man ein so schwieriges Übertragungswerk wie das Thomas Eichhorns an «Fredy Neptune», dem Vers-Epos des Australiers Les Murray, selbst überprüfen � Englisch auf der linken Seite, Deutsch auf der rechten.

Ein bisschen mehr Wertschätzung für die Leistungen einer notorisch unbedankten Branche wünscht sich

Ihre Literaturen-Redaktion
Schwerpunkt - Eine Party für James Joyce.
Schwerpunkt 06.2004 16. Juni 1904 � ein Tag macht Literaturgeschichte: Literaturen feiert James Joyce und seinen Jahrhundertroman.
Mit Beiträgen von Sigrid Löffler, Klaus Reichert, Hans-Peter Kunisch, Hanns Zischler und Jan Philipp Reemtsma
Sigrid Löffler Das tragbare und das untragbare Irland Eine Annäherung an James Joyce 6 || Klaus Reichert 16. Juni 1904 � der Welt-Alltag der Epoche Warum der «Ulysses»-Roman von James Joyce ein Schlüsseltext der Moderne ist 10 || Hans-Peter Kunisch 100 Jahre «Bloomsday»: Wer geht da durch Dublin? Ein Rundgang auf den Spuren Leopold Blooms 18 || Hanns Zischler «Flatternd, flitternd, flitzend, flitz» James Joyce als Kinogeher und Kinobetreiber 26 || Jan Philipp Reemtsma Joyce sein oder Schmidt werden? Die deutsche Philologie, Arno Schmidt und ihr «deutscher James Joyce».
[ Partituren | Theaterheute | Opernwelt | ballet-tanz | tanz-journal | Friedrich Berlin Verlag ]               
  © 2009 Literaturen.de Druckansicht