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Niemand, liebe Leserin, lieber Leser, glaubt im Ernst, dass die amerikanische Regierung 1941 den japanischen Überfall auf Pearl Harbor provozierte und 2476 ihrer Bürger sterben ließ, um die öffentliche Meinung in den USA umzudrehen und auf einen Zwei-Fronten-Krieg gegen Hitler-Deutschland und Japan einzustimmen. Niemand glaubt das im Ernst. Robert B. Stinnett ist dieser Niemand. Schon vor vier Jahren hat er in seinem Buch «Day of Deceit» (Tag der Täuschung) diese angebliche «Wahrheit über Präsident Roosevelt und Pearl Harbor» propagiert – seine fixe Idee von der US-Flotte in Hawaii als Köder, ausgelegt für den «Überraschungsangriff» der Japaner, der keiner war, sondern lange erhofft und erwartet. Es habe sich um ein Geheimdienst-Komplott mit Wissen und Willen des Präsidenten gehandelt. Es ist kein Zufall, sondern reines Marketing-Kalkül, dass diese Verschwörungstheorie zu Pearl Harbor erst jetzt auf Deutsch erscheint, im Gefolge all der Konspirations-Phantasien zum 11. September, die derzeit einen geradezu blödsinnigen Boom erleben, nach der Devise: Multiplizierter Aberwitz ergibt doppelte Wahrscheinlichkeit. Wenn schon der Angriff auf Pearl Harbor vom US-Geheimdienst eingefädelt wurde, dann, nicht wahr, klingt es doch umso glaubwürdiger, dass die amerikanische Regierung auch die Terror-Attacken gegen die Twin Towers inszeniert hat. Dass jeder fünfte Deutsche (und jeder dritte unter dreißig) die Regierung Bush für den Auftraggeber des 11. September hält, ist einer der Anlässe für Literaturen zu fragen, warum jedes noch so absurde Konstrukt über amerikanische Schurkereien heute so bereitwillig geglaubt wird. Die These von Literaturen: Hier schlägt eine «Politik des Verdachts», von den USA selber seit langem betrieben, auf die Urheber zurück. Lesen Sie Genaueres ab Seite 12. Ihre LITERATUREN-Redaktion P. S.: Nach drei Jahren hat Literaturen einen neuen Auftritt im Internet. Die Website www.literaturen.de ist nach dem Relaunch einfacher, praktischer und schneller geworden – schauen Sie selbst! Dort können Sie sich auch an unserer Leser-Umfrage beteiligen (siehe Seite 100).
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