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Aktuelle Ausgabe
Titel 07-08/09
SCHWERPUNKT
VISION AMERIKA
In Amerika wurde seit je die Zukunft erfunden. Wie erzählt die Literatur von der Lust am Neuen? Was heißt es, wenn Menschen ihr Leben von vorn beginnen, und wie macht sich das World Wide Web als Zuhause?

Frauke Meyer-Gosau Ein Anarchist in der Goethe Street Chicago – Stadt der Hoffnungen und der Desaster. Mit Aleksandar Hemon in der Kapitale der ewigen Zukunft || Peer Trilcke «Ich höre Amerika singen» Walt Whitmans Gedicht-Zyklus «Leaves of Grass» ist die literarische Gründungsakte der Vereinigten Staaten. Und ein ganz gegenwärtiges Stück Populärkultur || Walt Whitman Leaves of Grass (Grasblätter) in der Neuübersetzung von Jürgen Brocan || Richard Powers Schlage hier nach zu allem. Eine Erzählung

EDITORIAL

DAS KRIMINAL
Die Mörderin ist ein Menetekel
Frauke Meyer-Gosau begegnet Kommissar Charitos in Istanbul

BÜCHER DES MONATS
Jörg Magenau
... mehr

Editorial
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Mit dem Fahrrad, liebe Leserin, lieber Leser,

durch die eigene Zukunft brausen – geht das? Was die amerikanische Metropole Chicago anlangt, lässt sich uneingeschränkt sagen: Ja, es geht! Zukunft ist in dieser Stadt nämlich auch in Gestalt luxuriös ausgebauter Fahrradwege gegenwärtig. Und vorausgesetzt, man bucht die entsprechende Bike-Tour, führen sie einen ohne größere Umstände zu den Obama-Sites, den Lebens-Schauplätzen der heutigen Präsidentenfamilie.

LITERATUREN hat sich für diese Sommerausgabe auf die Spuren der Zukunfts-Visionen geheftet, wie sie seit einem guten Jahrhundert aus Amerika ... mehr

Die Beiseite
Die Beiseite
Alle Texte werden frei sein
Der Literaturbetrieb ist auf einem Material aufgebaut, das sich selbst zerfrisst. Und damit alle Kritik Typologien zur Literatur (3): Das «Papier»
VON PETERLICHT

Das Papier ist ungeduldig. Es strebt seiner Auslöschung zu. Es zerfällt. Und mit ihm die Zeichen, die man darauf setzte. Sammeln sich die Jahre in den Blättern, wird die Sache zunehmend brüchig. Auf merkwürdige Weise verdickt sich das Papier. Es wird immer trockener. Man meint, man hielte Esspapier in den Händen. Man beißt probehalber in die Seiten und merkt, dass tatsächlich kein Saft mehr vorhanden ist. Vorbei die Zeit der schneeweißen Fläche. Einem alten Zahn gleich wechselt beim alten Buch die Farbe ins Gilbige. Dem dazugehörigen Mund ... mehr

Mitten aus...
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Mitten aus Rom
VON SILKE SCHEUERMANN

Die fundamentale Erfahrung des Dichters ist Hilflosigkeit, schreibt die amerikanische Lyrikerin Louise Glück zu Beginn ihres einleitenden Essays im Band «Proofs & Theories». Bevor ich noch den Argumenten der Pulitzer-Preisträgerin folgen kann, klingelt es. Maria und Paola sind da, um mich abzuholen. In der Villa Massimo wird man immer gern abgeholt, alle Besucher, auch eingefleischte Römer, lieben es, durch die portineria, das Pförtnerhäuschen im massiven, geradezu burgähnlichen Eingangsportal ... mehr

Literatur im Kino
2009-0708-09_literaturimkin
Zwei plus zwei macht zwei
Marie Bäumer und Milan Peschel als Charlotte und Eduard: «Mitte Ende August» überträgt «Die Wahlverwandtschaften» in unsere Tage

Eduard – so nennen wir einen reichen Baron im besten Mannesalter… »: So beginnt Goethe seinen Roman «Die Wahlverwandtschaften», in dem es um die seltsame Macht der Gefühle und der Liebes-Arithmetik geht, um die bekannte Chemie, die sich zwischen den Menschen auf geheimnisvolle Weise entwickelt und sie leitet. In Sebastian Schippers Film «Mitte Ende August», der Goethes Geschichte variiert, sieht man ebenfalls als Erstes einen Mann im besten Mannesalter. Hier heißt er Thomas und wird gespielt von Milan Peschel.
Wir sehen ihm zu, wie er aufsteht, wie er wach wird, Musik ... mehr

Was liest ...
2009-0708-09_wasliest
Antje Rávic Strubel
Antje Rávic Strubel, 1974 in Potsdam geboren, studierte nach einer Ausbildung zur Buchhändlerin in Potsdam und New York Literaturwissenschaft, Psychologie und Amerikanistik. Für ihre Prosa wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt erschienen der Roman «Kältere Schichten der Luft» (2007) und die «Gebrauchsanweisung für Schweden» (2008). Sie lebt als freie Autorin in Potsdam.

Manche Gespräche beginnen tatsächlich noch so. Am Kreuzberger Ufer, als die Admiralsbrücke in der letzten Sonne lag, saß ich in einer beliebten Pizzeria, wartete auf ... mehr

Hörbücher
«Sie gaben das Äußerste, und ich gab das Meine»
Drei Gegensatz-Paare der jüngeren Literaturgeschichte: Thomas Bernhard und Siegfried Unseld, Lou Andreas-Salomé und Rainer Maria Rilke, Schüler und Lehrerin in Siegfried Lenz’ Novelle «Schweigeminute»

Ernennt sein Gegenüber «mein Frankfurter Ungeheuer, dem ich völlig verfallen bin»; trotzdem tut er ihm einen «Seitentritt in Salzburg» an. Aus scheinbar heiterem Himmel spricht er von Entfremdung. Er reagiert eifersüchtig und ist beim Thema Geld ohnehin stets mit massiven Vorwürfen und weitreichenden Drohungen bei der Hand. Der andere bleibt unterstützend, großmütig und um Ausgleich bemüht, denn er glaubt an die Beziehung. Nur manchmal erinnert er an seine Verdienste darum.
Nein, die ... mehr

Netzkarte
Netzkarte
«Harrrumphhh!» Fragmente einer Sprache des Niedlichen: Die User auf cuteoverload.com wissen, was wirklich «süß» ist

In einer seiner «Titanic»-Kolumnen machte Max Goldt eine hübsche Beobachtung: Unter den hundert einflussreichsten Frauen der Bundesrepublik habe sicher keine eine Puppe, Tigerente oder einen Teddybären an ihrer Tasche befestigt. Infantile Accessoires wie diese kennzeichneten ein bestimmtes Milieu, das sich mit unbewusster Selbststigmatisierung – so lässt sich Goldts Stilkritik verstehen – um alle Aufstiegschancen bringe. Denn: ... mehr

Kalender
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BAYREUTH
27.07.
Jürgen Kesting liest aus
«Die großen Sänger»
Markgrafenbuchhandlung,
12 Uhr

BERLIN
01.07.
Dietmar Dath liest
Humboldt-Universität, 19 Uhr
Mithu M. Sanyal spricht
über ihr Buch «Vulva –
Die Enthüllung des unsichtbaren
Geschlechts»
Literatur ... mehr
Das Kriminal
Das Kriminal
Die Mörderin ist ein Menetekel
VON FRAUKE MEYER-GOSAU

Alles lässt sich regeln, man muss nur wollen! »Dies ist die Lebensregel von Adriani Charitou, der Gattin des Athener Kommissars, der sich im Beruf mit seinem selbstdarstellungsfreudigen, in der Sache dagegen weitgehend inkompetenten Vorgesetzten Gikas und daheim mit dem kampflustigen Energiebündel herumzuschlagen hat, das seine Ehefrau ist: Kostas Charitos hat es nicht ... mehr

Kurz und Bündig
ERZÄHLUNGEN

BERND CAILLOUX
Der gelernte Berliner.
Sieben neue Lektionen

Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2008.
252 S., 10 ¤

Wenn Bernd Cailloux seinem 1991 vorgelegten Band «Der gelernte Berliner» jetzt sieben neue Lektionen folgen lässt, stellt sich vor allem eine Frage: Hat er, der typische Vertreter der einst aus Bundesdeutschland nach Westberlin zugewanderten Boheme, dazugelernt?
Ist er inzwischen vom halben ... mehr

2009-0708-09_schwerpunkt
Ein Anarchist in der Goethe Street
Chicago, Stadt der Hoffnungen und der Desaster – Stadt der Einwanderer bis heute. In seinem Roman «Lazarus» erzählt Aleksandar Hemon, wie das Leben hier seit einem Jahrhundert immer wieder neu anfing – auch seine eigene Geschichte gehört dazu. Literarische Reise in eine Kapitale der ewigen Zukunft
VON FRAUKE MEYER-GOSAU

Warum eigentlich hat einem nie jemand gesagt, dass Chicago zu den schönsten Städten der Welt gehört? Wer sich an einem windigen, sonnigen Morgen mit dem Fahrrad zum früheren Wohnviertel von Präsident Barack Obama aufmacht, sieht zu seiner Rechten eine unregelmäßige Kulisse aus alten und funkelnagelneuen Hochhäusern schimmern, zur Linken erstreckt sich die enorme Fläche ... mehr

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Martin Geck Wenn der Buckelwal in die Oper geht
«Ohne in das leere zu fallen»
Was der Buckelwal mit klassischer Musik zu schaffen hat, warum die «Sturm»-Sonate mit einem strampelnden Säugling zusammenhängt und wie man über Bach, Mozart, Beethoven für Kenner und Nichtkenner schreibt
VON RENÉ AGUIGAH

Manchmal wird der Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie, auch wenn beinahe 1200 Zuhörer darin sitzen, zum intimen Raum. Als der Pianist András Schiff kürzlich mit seinem Beethoven-Zyklus in Berlin gastierte zum Beispiel; als der dritte Satz der «Sturm»-Sonate anhob, als das Hadern des ersten Satzes überstanden und der meditative Gesang des Adagio verklungen war, als man ... mehr

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Ma Jian Red Dust
Nur noch zwanzigtausend Tage zu leben
Warum der Künstler und Schriftsteller Ma Jian im Jahr 1983 Beijing verließ, um sich auf eine lange Reise durch die Volksrepublik China zu begeben – und was er unterwegs erlebte
VON JÖRG MAGENAU

Roter Staub – das ist der Staub der Landstraßen. Es ist der «Staub der Welt» und der «Staub der Illusionen», vielleicht auch der Staub, der von der kommunistischen Ideologie in China übrig bleiben wird. Ma Jian, Schriftsteller, Maler und Fotograf aus Beijing, ist in seinem Heimatland Person a non grata, dabei kennt er das Reich der Mitte wie kein Zweiter. Für drei lange Jahre, von 1983 bis 1986, begaber sich ... mehr

Schöne neue Welt, renoviert
ROMAN Juli Zeh schreibt im Schatten von Aldous Huxley und George Orwell die negative Utopie fort – und landet beim «Second Life»

Kaum ist das gleichnamige Theaterstück aufgeführt, kaum der Roman erschienen, schon sitzt Juli Zeh wieder an ihrem Leidenschaftsthema: Schluss mit der Käfighaltung des Menschen zwecks Body Enhancement und eusozialer Perfektion. «Eusozial» nennen die Biologen die glückliche Kooperation in Insektenstaaten. Nicht zufällig klingt das Wort nach Eugenik und Euthanasie, denn beides lauert hinter der Organisation unseres schieren körperlichen Zusammenlebens. In der «Zeit» vom 30. April benannte Juli Zeh ihren Verdacht: Man gän ... mehr

Gott ist ein großer, böser Witz
Juden gelten in Deutschland als Garanten für guten Humor. Dabei ist es hierzulande eine äußerst komplizierte Angelegenheit, über Juden zu lachen. Der genauere Blick auf «komische» jüdische Romane entdeckt hinter Witzschminke und Humorverdacht ernste Themen
VON EVA MENASSE

Als Yankel Morgenstern starb und zum Himmel fuhr, entdeckte er zu seiner Überraschung, dass Gott ein großes Huhn war. Das Huhn war fast zehn Meter groß und sprach perfektes Englisch. »Mit diesen Sätzen beginnt eine der fabelhaften Storys von Shalom Auslander. Wäre Yankel Morgenstern nicht schon tot, würde ihn nämlich jetzt der Schlag treffen. Er denkt an seine neun Kinder, an die strengen Gebote, das koschere ... mehr

APOLLO 11
Wir Mondmenschen
Vor vierzig Jahren betrat der erste Mann den Mond. Das hatte Folgen für die Astronauten – vor allem aber für die zu Hause Gebliebenen
VON RONALD DÜKER

Hier in den Sümpfen Floridas, wo sich sonst Schlange und Krokodil gute Nacht sagen, hatte es einen solchen Auflauf noch nie gegeben. Nicht weniger als fünf Millionen Neugierige tummelten sich auf dem unwirtlichen Flecken. «Da waren alle Völker vertreten; es wurden alle Sprachen der Welt gleichzeitig gesprochen, in wirrem Durche ... mehr

Aktuelle Ausgabe
Juli 2009
Nächste Ausgabe
Das September-Heft von LITERATUREN erscheint am 1. September 2009
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